Landesweite Razzien nach Anschlag auf Sufi-Schrein in Pakistan

    17. Februar 2017, 06:14
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    Mindestens 75 Tote und 250 Verletzte

    Islamabad – Nach dem schweren Anschlag auf einen Schrein in Pakistan mit mindestens 75 Toten sind die Behörden am Freitag landesweit gegen mutmaßliche Verantwortliche vorgegangen. Wie ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagte, gab es bei Razzien im Morgengrauen eine "große Zahl Festnahmen in mehreren Städten".

    Bei Einsätzen in der Provinz Sindh und im Nordwesten des Landes wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen außerdem etwa 30 "Terroristen" getötet. Ein Militärsprecher gab an, dass die Grenze zu Afghanistan "geschlossen" worden sei, da die Behörden dort Extremisten vermuten.

    Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Donnerstag in einem jahrhundertealten Sufi-Schrein in Sehwan in der südlichen Provinz Sindh inmitten Hunderter Gläubiger in die Luft gesprengt. Es gab mehr als 70 Tote, darunter mindestens 20 Kinder, sowie rund 250 Verletzte. Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu dem Attentat.

    Die Provinzregierung von Sindh rief eine dreitägige Trauer aus. Der Verwalter des angegriffenen Schreins läutete um 3.30 Uhr inmitten des Chaos wie jeden Tag die Glocke. Er werde "nicht vor Terroristen einknicken", sagte er AFP.

    Der angegriffene Schrein von Lal Shahbaz Qalandar, einem muslimischen Sufi-Meister aus dem 13. Jahrhundert, gehört zu den am meisten verehrten Heiligtümern in Pakistan. Radikalsunnitische Gruppen wie der IS sehen die Anhänger der mystisch-sufistischen Strömung im Islam allerdings als Ketzer an.

    Regelmäßig Anschläge auf Sufi-Tempel

    Der Sufi-Zweig des Islam ist den sunnitischen islamistischen Gruppen im Land ein Dorn im Auge, regelmäßig werden Anschläge auf Sufi-Stätten verübt. Zuletzt waren im November bei einem Anschlag auf einen Tempel in Baluchistan mindestens 52 Menschen getötet worden.

    Der Sender Geo TV berichtete, dass nun landesweit die öffentlichen Areale und Parkplätze vor Sufi-Schreinen geschlossen worden seien. Es gibt in Pakistan mindestens ein Dutzend großer hochverehrter Sufi-Tempel und viele kleinere.

    Seit Montag sind in Pakistan mindestens 104 Zivilisten und Sicherheitskräfte bei Anschlägen getötet worden. Die meisten hat die Gruppe Jamaat ul-Ahrar für sich reklamiert. Sie kündigte weitere Anschläge an. (APA, 17.2.2017)

    • Am Anschlagsort blieben zahlreiche Schuhe der Opfer zurück.
      foto: reuters/soomro

      Am Anschlagsort blieben zahlreiche Schuhe der Opfer zurück.

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