Viele Businessreisen trotz Sparstifts in den Firmen

16. Februar 2017, 17:33
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3,2 Milliarden Euro geben Österreichs Firmen für Geschäftsreisen im Jahr aus, so eine Studie. Es zeigt sich, dass weniger, aber dafür länger verreist wird

Wien – Zwar ist die Zahl der Geschäftsreisen im Jahr 2015 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Bei der Austrian Business Travel Association (Abta), deren Ziel es ist, Firmen mit einem hohen Reisevolumen bei der Senkung dieser Kosten zu helfen, sieht man aber keinen Zusammenhang mit einer Wirtschaftskrise. Denn die Reisen sind zwar weniger geworden – aber sie dauern dafür länger, erläutert Hanno Kirsch, Präsident der Abta.

Die Plattform hat über das Jahr 2015 eine sehr genaue Studie über Geschäftsreisen erstellt und dabei das Reiseverhalten von immerhin 14.000 Personen untersucht. Dabei ergab sich folgendes Bild: 8,5 Millionen Geschäftsreisen wurden 2015 getätigt; die Kosten dafür betrugen 3,2 Milliarden Euro. 22 Millionen Reisetage gingen dafür drauf. 13 Millionen Hotelnächte wurden gebucht und um rund 900 Millionen Euro Flugtickets gekauft.

Transport ist größter Kostenfaktor

Anders als früher angenommen, hätten sich die Geschäftsreisen von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung abgekoppelt, erläutert Projektleiter Wilfried Kropf, der die Daten auch mit der Statistik Austria zusammentrug. Die Zahl von 3,2 Milliarden Euro Gesamtkosten der Firmen sieht er eher als Umsatzuntergrenze.

Transport ist der größte Kostenblock bei Dienstreisen: 1,4 Milliarden Euro gingen dafür drauf; gefolgt von Übernachtungskosten (eine Milliarde Euro) sowie Verpflegung (550 Millionen Euro).

Die Durchschnittskosten für ein Flugticket inklusive Steuern und Abgaben betrugen 2015 bei mehrtägigen Reisen 530 Euro. Insgesamt wurden für Flugtickets 930 Millionen Euro ausgegeben. Dagegen für Autofahrten nur 360 Millionen Euro. Reisen mit dem Zug spielen eine eher untergeordnete Rolle: Nur 1,4 Millionen dienstliche Zugfahrten wurden gemacht. Zum Vergleich: 4,2 Millionen Autofahrten und 2,3 Millionen Flüge. Dabei ließe sich für die Unternehmen viel sparen. Die durchschnittlichen Kosten für eine Dienstfahrt mit dem Zug betrugen 70 Euro.

Dass bei den Geschäftsreisen der Rechenstift regiert, umreißt Kirsch so: "Früher fuhren zehn Personen zur Computermesse Cebit nach Hannover, heute wahrscheinlich zwei."

Mehr Privatunterkünfte

Auch die Übernachtungen des Business-Travellers hat sich die Abta angesehen. Auf die klassischen Hotels entfällt wenig überraschend das Hauptgeschäft. 65 Prozent der Übernachtungen werden in Hotels getätigt. Dies ergibt 8,7 Millionen von insgesamt 13 Millionen Nächtigungen. Rund die Hälfte der Reisen wird in Österreich getätigt. Bei denen ins Ausland dominiert Deutschland weit vor der Schweiz und Italien. "Der hohe Anteil von ausländischen Übernachtungen – 65 Prozent – spiegelt die starke Exportorientierung wider", so Kropp.

Sharingmodelle wie Airbnb wurden nicht erfasst. Jedoch gebe es Zeichen, dass solche Quartiere im Steigen sind. 2015 stieg die Zahl der dienstlichen Übernachtungen in Privatunterkünften von 122.000 auf 186.000. "Da sind sicherlich Airbnb-Effekte dabei", so Kropf. Insbesondere bei längerer Aufenthaltsdauer – etwa weil es um Montagetätigkeit geht – würden preislich günstigere Varianten gewählt. Insgesamt aber fallen 90 Prozent der Übernachtungskosten in Hotels an. (ruz, 16.2.2017)

  • 22 Millionen Reisetage sind Österreichs Geschäftsleute im Jahr unterwegs. Meistens fahren sie mit dem Auto, weil die Inlandsziele überwiegen. Flüge aber stellen den größten Teil der Transportkosten.
    foto: reuters/alex domanski

    22 Millionen Reisetage sind Österreichs Geschäftsleute im Jahr unterwegs. Meistens fahren sie mit dem Auto, weil die Inlandsziele überwiegen. Flüge aber stellen den größten Teil der Transportkosten.

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