Palmöl kann Leber und Stoffwechsel schaden

17. Februar 2017, 08:55
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Forscher konnten zeigen, dass bereits eine einzige größere Menge Palmöl ausreicht, um vermehrte Fetteinlagerungen in der Leber hervorzurufen

Düsseldorf/München/Wien – Die Lebensmittelindustrie setzt zunehmend auf Palmöl: Einem aktuellen Bericht des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) hat sich die weltweite Anbaufläche seit 1990 verdoppelt. Der Hauptgrund dafür: Palmöl ist billig.

Das kostengünstige Fett bietet aber noch weitere Vorteile für die Hersteller von Convenience-Food. Es ist geschmacklos, lässt sich hoch erhitzen, verlängert die Haltbarkeit von Fertigprodukten und verbessert die Streichfähigkeit von Margarinen, Glasuren oder Aufstrichen.

Neben den negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen – etwa der Rodung des Regenwaldes und schlechter Arbeitsbedingungen für die Plantagenarbeiter – steht Palmöl zunehmend auch aus ernährungsphysiologischer Sicht in der Kritik, da es reich an gesättigten Fettsäuren ist – bei unraffiniertem Palmöl um die 50 Prozent, bei Palmkernöl etwa 80 Prozent.

Eine größere Dosis reicht aus

Wissenschafter vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) und dem Helmholtz-Zentrum München haben nun herausgefunden, dass bereits die einmalige Aufnahme einer größeren Menge Palmöl die Empfindlichkeit des Körpers für Insulin verringert sowie vermehrte Fetteinlagerungen und Veränderungen im Energiestoffwechsel der Leber hervorruft.

Die Forscher verabreichten in ihrem Experiment 14 gesunden, schlanken Männern nach dem Zufallsprinzip einmal ein aromatisiertes Palmöl-Getränk oder ein Glas Wasser. Die fettreiche Flüssigkeit enthielt eine ähnliche Menge an gesättigtem Fett wie zwei Cheeseburger mit Speck plus großer Portion Pommes.

Das Ergebnis der Untersuchung: Diese Dosis reichte aus, um die Insulinwirkung zu vermindern bzw. eine Insulinresistenz hervorzurufen und den Fettgehalt der Leber zu erhöhen. Zudem konnten Veränderungen im Energiehaushalt der Leber nachgewiesen werden. Die beobachteten Stoffwechselveränderungen gleichen den Veränderungen, wie sie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oder nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) beobachtet werden.

Auswirkungen auf den Stoffwechsel

"Überraschend war, dass eine einzige Palmöl-Dosis bei gesunden Menschen so schnell und direkt Auswirkungen auf die Leber hat und durch die verabreichte Fettmenge bereits eine Insulinresistenz ausgelöst wird", erklärt Studienleiter Michael Roden.

Für die Analyse des Leberstoffwechsels der Probanden nutzten die Forscher die Magnetresonanzspektroskopie, die es erlaubt, die Zucker- und Fettspeicherung sowie den Energiestoffwechsel der Mitochondrien zu verfolgen.

So zeigte sich, dass das Palmöl-Getränk die Muskeln, Leber und das Fettgewebe in ihrer Stoffwechselaktivität beeinträchtigte. Die hervorgerufene Insulinresistenz führte zu einer vermehrten Zuckerneubildung in der Leber und einer gleichzeitig verminderten Zuckeraufnahme in der Skelettmuskulatur – ein Mechanismus der bei Typ-2-Diabetes und seinen Vorstufen den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt, wie die Forscher betonen.

Fokus auf langfristige Folgen

Zudem bewirkte die Insulinresistenz des Fettgewebes eine vermehrte Freisetzung von Fetten in die Blutbahn, die wiederum die Insulinresistenz weiter steigerten. "Die erhöhte Verfügbarkeit von Fett führt außerdem zu einer zunehmenden Arbeitslast der Mitochondrien, was langfristig diese zellulären Kraftwerke überfordern und zur Entstehung einer Lebererkrankung beitragen kann", schreiben die Studienautoren.

Die Forscher vermuten aber, dass gesunde Menschen diese unmittelbaren Auswirkungen der fettreichen Nahrung auf den Stoffwechsel je nach Prädisposition der Gene leicht bewältigen können. Problematisch könnten jedoch die langfristigen Folgen für regelmäßige Esser solcher fettreichen Mahlzeiten sein. (red, 17.2.2017)

  • Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen. Es besteht bis zu 80 Prozent aus gesättigten Fetten.
    foto: apa/epa/hotli simanjuntak

    Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen. Es besteht bis zu 80 Prozent aus gesättigten Fetten.

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