Zahl der Einbürgerungen stieg um 4,4 Prozent

16. Februar 2017, 12:38
556 Postings

Vormalige Bürger Bosniens, der Türkei und Serbiens unter den Top-Nationen

Wien – 8.626 Menschen wurde 2016 die österreichische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Das ist ein Anstieg von 4,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2015. Von den neuen Österreichern besaßen zuvor 1.262 Personen (14,6 Prozent) die Staatsbürgerschaft von Bosnien und Herzegowina, 820 von der Türkei (9,5 Prozent), 752 von Serbien (8,7 Prozent), 456 vom Kosovo (5,3 Prozent), 337 von der Russischen Föderation (3,9 Prozent) sowie 332 von Afghanistan (3,8 Prozent).

Mit 53,6 Prozent gibt es einen deutlich weiblichen Überhang bei den Eingebürgerten. Mehr als ein Drittel der Neoösterreicher wohnt in Wien (3.055 Fälle), dahinter folgen mit Abstand Oberösterreich (1.519) und Niederösterreich (1.154). Die wenigsten Einbürgerungen wurden mit 170 im Burgenland lebenden Personen verliehen. 96 Personen wurde die Staatsbürgerschaftsurkunde an ihre Hauptwohnsitzadresse im Ausland geschickt.

35 Prozent aller Eingebürgerten wurden bereits in Österreich geboren, 37,2 Prozent waren unter 18 Jahre alt. Die Einbürgerungsquote, also der Anteil der Eingebürgerten an allen in Österreich lebenden Ausländern, betrug wie schon 2015 0,7 Prozent. 1.224 Personen oder 14,2 Prozent waren anerkannte Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention.

Die Zahlen für 2016 setzen den mäßig zunehmenden Trend der vergangenen Jahre (8.265 Fälle im Jahr 2015, 7.693 im Jahr 2014 und 7.418 im Jahr 2013) fort. Gemessen an 2003, dem Rekordjahr dieses Jahrhunderts mit 45.112 Einbürgerungen, lagen jene des Vorjahres bei unter einem Fünftel.

Mehr als die Hälfte (4.787 Fälle oder 55,5 Prozent) aller Einbürgerungen im vergangenen Jahr erfolgte aufgrund eines Rechtsanspruchs. Darunter wurden 3.007 Personen nach mindestens sechsjährigem Wohnsitz in Österreich und aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen eingebürgert, 388 Personen nach mindestens 15-jährigem Wohnsitz und nachhaltiger Integration und 781 Personen wegen Ehe mit einem Österreicher oder einer Österreicherin. Weitere 1.306 Personen oder 15,1 Prozent erhielten die Staatsangehörigkeit im Ermessen, darunter 1.244 Personen nach mindestens zehnjährigem Wohnsitz, und unter dem Titel "Erstreckung der Verleihung" wurden 278 Ehegatten sowie 2.255 Kinder eingebürgert. (Michael Matzenberger, 16.2.2017)

Hintergrund: Einbürgerungen

Definitionen: Eine Einbürgerung nach Anspruch erfolgt nach Paragraf 11a Absatz 4 des Staatsbürgerschaftsgesetzes. Voraussetzung sind sechs Jahre Aufenthalt im Bundesgebiet und entweder Geburt in Österreich, Staatsangehörigkeit eines EWR-Staates, ein berechtigter Asylstatus oder besondere Verdienste um die Republik. Bei der Rechtsgrundlage des Ermessens entscheidet die zuständige Behörde, die allgemeinen Anspruchskriterien müssen auch in diesem Fall erfüllt werden. Erstreckung der Verleihung bezeichnet den Erwerb der Staatsbürgerschaft als Ehepartner oder Kind eines Österreichers.

In allen Fällen ist "das Gesamtverhalten des Antragstellers im Hinblick auf das allgemeine Wohl, die öffentlichen Interessen und das Ausmaß der Integration" ausschlaggebend. Berücksichtigt werden dafür die völlige Unbescholtenheit, gesicherter Lebensunterhalt, Deutschkenntnisse, kein Naheverhältnis zu einer extremistischen oder terroristischen Gruppierung und eine "bejahende Einstellung zur Republik Österreich und Gewährleistung, dass keine Gefahr für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit besteht".

Die Statistik der Einbürgerungen basiert auf den Angaben aus den rechtskräftigen Bescheiden der Ämter der Landesregierungen Österreichs über die Verleihung der Staatsbürgerschaft und wird im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres durchgeführt. Die vorliegenden Ergebnisse sind vorläufig, da vor dem 1. September 1983 geborene minderjährige eheliche und legitimierte Kinder wegen einer Gesetzesnovellierung 2013 noch bis Ende April 2014 einen Antrag auf Erwerb der Staatsbürgerschaft stellen konnten. Einige dieser Verfahren sind noch nicht erledigt.

Links

  • 8.626 neue Staatsbürgerschaftsnachweise wurden im Vorjahr für eingebürgerte Personen gedruckt.
    foto: hans klaus techt

    8.626 neue Staatsbürgerschaftsnachweise wurden im Vorjahr für eingebürgerte Personen gedruckt.

Share if you care.