Nokia 3310: Das Comeback der "Handy-Kakerlake"

16. Februar 2017, 09:59
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Die Neuauflage des Kultgeräts könnte wichtiger werden als die neuen Smartphones des Konzerns

Ende des Monats wird Nokia am Mobile World Congress in Barcelona zumindest drei Android-Smartphones präsentieren. Mit dem Nokia 3, 5 und dem bereits bekannten Nokia 6 zielen das Unternehmen und dessen inoffizielle Tochterfirma HMD Global auf niedrigere Preissegmente und Schwellenmärkte.

Doch auch ein weiteres Gerät wird es zu sehen geben. Und zwar ein "klassisches" Handy, gedacht als Hommage an das von vielen als ultimativer Klassiker gesehene Nokia 3310. Ein Produkt, in dem mehr Potenzial stecken könnte, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt.

Kultobjekt

Das Nokia 3310 genießt bis heute Kultstatus und war mit 126 Millionen abgesetzten Geräten ein Verkaufsschlager für das Unternehmen. Auf den Markt gekommen war es Ende 2000, die letzten Geräte verließen die Werke fünf Jahre später. Seine Front bedeckten Ziffern- und Steuertasten und ein monochromes Display mit 84 x 48 Pixel Auflösung. Viel zu wenig, um moderne, multimediale Inhalte abzubilden, aber mehr als genug zur Anzeige von SMS, Kontakten oder dem mobilen Games-Klassiker "Snake 2".

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Seine nach heutigen Maßgaben sehr beschränkten Kommunikationsfertigkeiten waren allerdings nicht der Hauptgrund dafür, dass das Handy bis heute nostalgisch verehrt wird. Es punktete vorwiegend mit langer Akkulaufzeit – bis zu 245 Stunden Stand-by lauteten die offiziellen Angaben je nach Modell – und dem Nimbus der Unverwüstlichkeit.

Und diese Eigenschaft wurde und wird bis heute reichlich ausgetestet, schreibt der Guardian über die "Handy-Kakerlake". Das Mobiltelefon wurde schon mit Panzern überfahren, aus Flugzeugen geworfen und in hydraulische Pressen gesteckt. Wenn etwas die Apokalypse überleben sollte, so ein gängiges Meme, dann Küchenschaben und das Nokia 3310. Das finnische Außenministerium hat 2015 gar ein Emoji veröffentlicht, das mit dem Handy den Begriff "unzerstörbar" symbolisiert.

foto: finnisches außenministerium
Das "Unzerstörbar"-Emoji des finnischen Außenministeriums.

Retrotechnik als Ass im Ärmel

Abseits des nostalgischen Flairs ist es aber tatsächlich die technische "Rückwärtsgewandtheit", die einer Neuauflage des Gerätes auch heute noch zum Erfolg verhelfen könnte. Während man sich in Industriestaaten medial vorwiegend mit neuen Flaggschiffen wie Apples iPhone oder Samsungs Galaxy S-Reihe auseinandersetzt, gibt es in einigen Ländern Abermillionen Nutzer, die mit einem einfachen, robusten Kommunikationsgerät mit langer Akkulaufzeit mehr anfangen können, als mit einem technologischen Designerstück, das "alle Stückl’n" spielt.

In vielen Gegenden der Welt ist kontinuierliche Stromversorgung ebenso noch ein Wunschtraum wie eine flächendeckende Verfügbarkeit mit leistbarem, mobilem Breitbandinternet – vom finanziellen Aufwand für ein reguläres Smartphone ganz zu schweigen. Nicht umsonst haben sich ausgerechnet einfache, billige Geräte wie das noch von Microsoft Mobile auf den Markt gebrachte Nokia 215 gut verkauft, während die Windows Mobile-Smartphones gemeinsam mit ihrem Betriebssystem am Markt untergingen.

foto: know your meme

Back to the future?

Doch auch im Westen haben Geräte wie das Nokia 3310 eine Existenzberechtigung. Nutzer mit höherem Datenschutzanspruch könnten an einem kaum vernetzten Gerät ebenso Gefallen finden wie jene, die schlicht ein günstiges Zweitgerät mit langer Akkulaufzeit für berufliche und private Ausflüge in unwirtliche Gegenden suchen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob für Nokia die eigene Vergangenheit auch ein Teil seiner Zukunft ist. (gpi, 16.02.2017)

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