Kasachen nicht gedopt, Kritik an Polizeieinsatz

    15. Februar 2017, 18:47
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    Kasachisches Team beschwert sich über Befragungen bis fünf Uhr morgens und Beschlagnahmungen – Anwalt bemängelt fehlende Auskünfte und Vorverurteilung

    Hochfilzen – Der Biathlon-Weltverband (IBU) hat am Mittwoch bestätigt, dass alle vor einer Woche nach einer Polizeirazzia genommenen Dopingproben des kasachischen WM-Teams negativ ausgefallen sind. Genau das hatte am Vortag bereits der kasachische Kultur- und Sportminister Arystanbek Mukhamediuly verkündet.

    "Ich bin glücklich, dass alle Test negativ sind. Das bedeutet, dass die IBU keine Disziplinarsanktionen einleiten wird", erklärte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch am Mittwoch am WM-Schauplatz in Hochfilzen. Die Dopingroben seien im WADA-akkreditierten Labor in Seibersdorf auch auf Wachstumshormone und EPO-Varianten analysiert worden, ergänzte die Deutsche.

    Die Polizeiermittlungen gegen die Kasachen laufen unabhängig davon freilich weiter. Sollten sich neue Verdachtsmomente ergeben, werde die IBU selbstverständlich sportrechtliche Schritte einleiten, so Resch. Mit neuen Erkenntnissen sei möglicherweise erst in Wochen oder Monaten zu rechnen.

    Das österreichische Bundeskriminalamt prüft nach wie vor, ob die Kasachen gegen das Anti-Doping-Bundesgesetz verstoßen haben und/oder ob der Tatbestand des Sportbetrugs nach dem Strafgesetzbuch erfüllt ist. Für die Sportler und ihr Betreuungspersonal gilt die Unschuldsvermutung.

    Am Vorabend des ersten WM-Rennens hatten 30 Polizeibeamten im Mannschaftshotel in Waidring zahlreiche medizinische Produkte und persönliche Gegenstände sichergestellt. Der Polizeiaktion war ein doping-verdächtiger Fund von Medizinprodukten und Aufzeichnungen in einem Karton vorausgegangen, den die Kasachen im Jänner an einer Tankstelle in Osttirol zurückgelassen hatten.

    Andrej Krjukow, der Vizepräsident des kasachischen Olympischen Komitees, und Topbiathletin Galina Wischnewskaja betonten am Mittwoch, dass die gesamte Mannschaft sauber sei und für fairen Sport stehe. Sie beschwerten sich außerdem über das unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei und das Einbehalten der beschlagnahmten Handys, Tablets und Laptops. Die Beamten hätten einige Teammitglieder bis fünf Uhr morgens verhört, das habe sich natürlich negativ auf die sportlichen Leistungen ausgewirkt.

    Robert Bukovc, der österreichische Anwalt der Kasachen in der Sache, bemängelt, die nach wie vor fehlende Aufstellung der sichergestellten Gegenstände. Seiner Ansicht nach sind die üblichen Fristen längst überschritten. Er habe diesbezüglich bereits zwei erfolglose Anträge beim Landesgericht Innsbruck gestellt. Der Jurist kritisierte auch die lange Wartezeit bis zum Vorliegen der Dopingtestergebnisse und besonders die öffentliche Vorverurteilung durch die von der Polizei am vergangenen Donnerstag abgehaltene Pressekonferenz. (APA, 15.2.2017)

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