Studie: Bahnindustrie als Wohlstandsmotor

15. Februar 2017, 19:00
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Industrieökonom: Brexit würde Schienen- und Bahntechnik-Exporteure schmerzen

Wien – Gemessen an Wertschöpfung, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum, die Österreichs Bahnindustrie bringt, müssten ÖBB und Republik ihren Einsatz verdoppeln und vier oder fünf Milliarden-Tunnels bauen statt nur die drei Koralm-, Brenner- und Semmeringbasistunnel. So weit wollte Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) am Mittwoch aber doch nicht gehen. Er forderte die EU-Kommission allerdings auf, die strengen Defizit-Vorschriften (Maastricht-Kriterien) zu lockern, um Investitionen in Infrastruktur anzukurbeln.

"Anders als Unternehmen sind Zukunftsinvestitionen von Staaten laut Maastricht-Regime nicht absetzbar", kritisierte Leichtfried in einer Pressekonferenz der Bahnindustrie in der Industriellenvereinigung (IV). Europa brauche dringend neue Regeln für Investitionen, sagte Leichtfried mit Blick auf eine vom Verband der Bahnindustrie finanzierte Studie des Economica-Instituts des IV-Chefökonomen Christian Helmenstein.

Der zufolge ist Österreichs Bahnindustrie eine Art eierlegende Wollmilchsau: Wohlstandsmotor, Exportweltmeister, Impulsgeber für Wachstum und Beschäftigung. Der Zweig setzte im Vorjahr mit über 9000 Beschäftigten etwa 3,1 Milliarden Euro um und steuerte 1,4 Milliarden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Inklusive Multiplikatoreffekte erhöhe sich der Beitrag auf 2,1 Milliarden oder 0,7 Prozent des BIP. Indirekt würden 20.300 Arbeitsplätze gesichert. Mit einem Weltmarktanteil von 5,1 Prozent belege sie weltweit Rang 5 hinter China, Mexiko, USA und Deutschland, die Exportquote beträgt 70 Prozent.

Um die Multiplikatoreffekte herauszudestillieren, hat Helmenstein "ein Satellitenkonto" eingerichtet und die Bahnindustrie samt ihren Verästelungen aus der Vogelperspektive durchleuchtet. Das Ergebnis: "Starke Vorleistungsverflechtungen mit Zulieferbetrieben sodass mit jedem in der Bahnindustrie erwirtschafteten Euro weitere 0,52 Euro in anderen Sektoren an Wertschöpfung ausgelöst werden", so Helmenstein, Der Multiplikator bei den Beschäftigten ist mit 2,26 noch höher: Jeder Arbeitsplatz in der Bahnindustrie sichere 1,26 Arbeitsplätze in Unternehmen, womit aus 9000 Beschäftigten flugs 20.300 werden. "Alles gut bezahlte Vollzeitjobs", wie Leichtfried betonte.

Fünf Prozent werden nach Großbritannien exportiert. Eine Halbierung des britischen Markts im Fall eines harten Brexits würden 0,01 bis 0,02 Prozent des Austro-BIP wegfallen. (ung, 16.2.2017)

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