Affäre um Trumps Russland-Kontakte: Erinnerung an Watergate

Kommentar15. Februar 2017, 17:41
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Praktisch jedes US-Medium thematisiert die problematischen Verbindungen Trumps zu Moskau

Es hat fast vier Wochen gedauert, aber jetzt scheinen die amerikanischen Medien endlich wieder Tritt gefasst zu haben nach dem Dauerfeuer aus dem Weißen Haus, das aus teils absurden Dekreten und zu "alternativen Fakten" umgemodelten Unwahrheiten bestand. Bisweilen hatte man den Eindruck, Donald Trump wolle bloß von anderen – sehr heiklen – Themen ablenken.

Nun, diese Taktik scheint gehörig danebengegangen zu sein: Praktisch jedes US-Medium, das sich Trumps Beschimpfungen als "Fake-News" mit Stolz an die Brust heftet, thematisiert jetzt die problematischen Verbindungen Trumps als Kandidat und nun als Präsident zu Moskau. Da geht es nicht nur um mutmaßlich illegale Kontakte seines Beraters, des Ex-Generals Michael Flynn, zur russischen Diplomatie, sondern auch um mögliche Cybermanipulationen zu Trumps Gunsten im Wahlkampf 2016.

Dass New York Times und Co ins Schwarze getroffen haben könnten, darauf lässt eine Kaskade wütender Tweets des US-Präsidenten schließen. Ein Indiz mehr dafür, nicht mehr lockerzulassen. Reporterlegende Dan Rather zieht bereits Vergleiche zum Watergate-Skandal. Der führte 1974 zum Rücktritt des 37. US-Präsidenten Richard Nixon. An seine Kollegen gibt Rather die Parole aus: "Vollgas Richtung Wahrheit!" Dem ist zuzustimmen: Nicht nur die USA, die gesamte Weltöffentlichkeit hat ein Anrecht darauf zu erfahren, wie Trump zu seinem Wahlsieg gekommen ist. (Gianluca Wallisch, 15.2.2017)

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