Spaß mit Tullius Destructivus

Kolumne15. Februar 2017, 16:53
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Kritische Selbstbewertungen seitens der Politiker kommen selten vor

Die Frage, ob man das Aussehen von Politikern thematisieren darf, sorgt oft für Diskussionen. Einerseits gilt ein ästhetisches Urteil in diesem Fall zu Recht als irrelevant, oberflächlich und gegenüber diesbezüglich vom Schicksal nicht überreich Beschenkten auch als unfair. Andererseits verweisen selbst auf Korrektheit bedachte Kommentatoren regelmäßig auf die an einen Schönheitswettbewerb erinnernden Komponenten im Duell Kern gegen Kurz – ein Aspekt, der beispielsweise beim Match Schüssel vs. Gusenbauer eher vernachlässigt wurde – oder betonen die Nachvollziehbarkeit der FPÖ-Strategie, sich lieber von den, wenn auch immer öfter nur müde hinter dunklen Ringen hervorblinzelnden, Blauaugen Heinz-Christian Straches repräsentieren zu lassen, als vom optisch herausgeforderten Antlitz ihres eigentlichen Chefs Herbert Kickl.

Kritische Selbstbewertungen seitens der Politiker kommen selten vor. Und noch seltener ist es, wenn die dabei geäußerte Einschätzung einen über die ästhetische Frage hinausgehenden Erkenntnisgewinn bringt. So geschehen, als Wolfgang Sobotka in der Vorwoche im STANDARD erklärte: "Meine Physiognomie macht mich nicht zum Sympathieträger." Ein Satz, der zur genaueren Betrachtung der gemeinten Gesichtszüge verleitet und schließlich ein Déjà-vu-Erlebnis auslöst: Man hat diesen Mann schon einmal gesehen. Nämlich im Asterix-Band XV Streit um Asterix, wo er unter dem Namen Tullius Destructivus als von Cäsar beauftragter Zwietrachtsäer dafür sorgt, dass Streit und Missgunst beinahe zur Spaltung des gallischen Dorfs führen. Es liegt also nicht nur eine optische Parallele zu Sobotka vor.

Und plötzlich beginnt man das oftmals erratisch wirkende Treiben des Innenministers besser zu verstehen. Zum Beispiel wenn er im Kurier-Interview meint, dass er das Regierungsprogramm nur deshalb nicht unterschreiben wollte, weil "es weder eine telefonische Aufforderung noch eine SMS gab, dass alle Minister unterschreiben sollen". Das klingt nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass sein Cäsar aus Radlbrunn sich eben erst vergrämt zurückgezogen hat und seither offenbar die Befehlsausgabe per SMS vernachlässigt.

Auf wessen Geheiß Sobotka künftig agieren wird, ist noch offen, aber auch hier hilft ein Blick auf Tullius Destructivus. Dem geht es weniger um die Interessen der Römer als um seinen Spaß beim Auslösen von Konflikten aller Art, was ihn zu einem der lustigsten Schurken der Asterix-Bände macht. In diese Richtung könnte man auch den Vorschlag des Innenministers deuten, alle privaten Überwachungskameras zur Terrorprävention zusammenzuschalten.

Erst vor kurzem hat die österreichische IT-Sicherheitsfirma SEC Consult aufgedeckt, dass sogar hochpreisige Überwachungskameras eine gegenüber Käufern geheimgehaltene Fernwartungsfunktion eingebaut haben. Diese ermöglicht es Hackern, die Geräte so zu manipulieren, dass aus Überwachern jederzeit Überwachte werden.

Terroristen oder Vor-die-Tür-Gacker hätten also eher wenig zu befürchten. Ebenso wie Wohnbaugelder-Verspekulierer. Und die so generierten Bilder hätten ein Zwietracht-Potenzial, von dem ein Tullius Destructivus nur träumen konnte. (Florian Scheuba, 15.2.2017)

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