Zehn Tote bei Gefechten und 50 entführte Zivilisten in Afghanistan

15. Februar 2017, 15:19
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Dorf von Taliban erobert – Botschafter der Emirate erliegt Verletzungen nach Anschlag

Kabul/Abu Dhabi – Bei Gefechten zwischen radikalislamischen Taliban und Sicherheitskräften um ein Dorf im Nordwesten Afghanistans sind zehn Menschen getötet worden. Fünf seien Mitglieder einer Bürgerwehr, fünf seien Talibankämpfer, sagte ein Sprecher der Provinzpolizei, Karim Yurish, am Mittwochnachmittag (Ortszeit).

Die Männer der Bürgerwehr hätten zwei Sicherheitsposten im Dorf Gorsad in der Provinz Fariab bemannt, als die Taliban angriffen. Das Dorf sei nun in den Händen der Taliban. Sicherheitskräfte versuchten, es zurückzuerobern.

"Aufstandskräfte"

Die afghanische Regierung hat landesweit Zehntausende Zivilisten mit leichten und schweren Waffen ausgerüstet und nennt diese neuen Heimatmilizen "Aufstandskräfte". Sie sollen vor der eigenen Haustür die Taliban bekämpfen, wenn die überstrapazierte Armee und die Polizei nicht schnell genug eingreifen können.

In einer Nachbarprovinz Jowzjan haben die Taliban nach Regierungsangaben 52 Zivilisten entführt, um Lösegeld zu erpressen. Der Sprecher des Gouverneurspalastes, Mohammed Resa Ghafuri, sagte, die Aufständischen in der Gegend seien knapp bei Kasse und versuchten so, ihre Mittel aufzubessern. Alle Opfer seien Bauern. Die Taliban hätten sie von ihrem Feldern entführt, als sie gerade die Frühjahrsaussaat vorbereiten wollten. Stammesälteste verhandelten nun um ihre Freilassung. Der Gouverneur habe bei der Regierung in Kabul um Truppen für eine Offensive gegen die Taliban gebeten.

Botschafter gestorben

Der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) in Afghanistan ist unterdessen den schweren Verletzungen erlegen, die er bei einem Bombenanschlag im Jänner erlitten hatte. Das berichtete die emiratische Nachrichtenagentur WAM unter Berufung auf die Regierung am Mittwoch. Botschafter Juma al-Kaabi war dem Bericht zufolge nach dem Anschlag auf das Haus des Gouverneurs der südafghanischen Provinz Kandahar mit einem Militärflugzeug zur Behandlung nach Abu Dhabi gebracht worden.

Unbekannte hatten damals unter einem Sofa im Salon des Gouverneurspalastes in Kandahar eine Bombe versteckt und sie während einer großen Zusammenkunft zu Ehren des Botschafterbesuchs gezündet. Elf Menschen starben, darunter auch fünf Angehörige der arabischen Delegation, ein afghanischer Senator, ein Parlamentarier sowie der stellvertretende Gouverneur der Provinz.

Es ist noch unklar, wer hinter dem Anschlag steckt – trotz einer großangelegten Untersuchung mithilfe der NATO. Die radikalislamischen Taliban wiesen eine Beteiligung zurück. Sie haben im Golfstaat Katar ein Büro und sollen aus der Region großzügige Spenden erhalten. (APA, 15.2.2017)

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