In Barcelona schrillen die Alarmglocken

15. Februar 2017, 13:36
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Mediale Kritik am Team und vor allem Trainer Enrique nach 0:4-Debakel in Paris – Franzosen mit beeindruckender Vorstellung

Paris – Nach der Demütigung von Paris schrillen beim FC Barcelona die Alarmglocken. Das 0:4 beim französischen Meister Paris St. Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League deckte am Dienstagabend die Schwächen der Katalanen auf. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison präsentierte sich die Mannschaft alles andere als glanzvoll, PSG gelang es jedoch, das schonungslos offenzulegen.

Angel Di Maria (18., 55.), Julian Draxler (40.) und Edinson Cavani (72.) schossen die Tore für die entfesselt aufspielenden Gastgeber. Schon vor dem Rückspiel im Camp Nou am 8. März scheint das Aus von Barcelona besiegelt. Seit 2007 stand Spaniens Fußballgigant in der Königsklasse zumindest im Viertelfinale. Einen Vier-Tore-Rückstand nach dem Hinspiel hat in der K.-o.-Phase des Bewerbs noch keine Mannschaft aufgeholt.

Enriques Vertrag wohl im Auslauf-Modus

Kritik musste sich vor allem Luis Enrique gefallen lassen. "Das ist nicht Barca", titelte die in Barcelona ansässige "Sport". Die Mannschaft habe "Schiffbruch ohne Trainer" erlitten. Die "Marca" mit Hauptsitz in Madrid stellte fest: "Das größte Debakel im 21. Jahrhundert. Ein zerbrochenes Herz in Paris. PSG überrollte Barca."

Da auch in der Liga die Titelverteidigung derzeit schwer zu realisieren scheint, dürften die Tage des 46-Jährigen als Barcelona-Trainer mit Saisonende gezählt sein. Enriques Vertrag läuft dann ohnedies aus. Im Pariser Prinzenpark agierte er in einem TV-Interview zunächst dünnhäutig, bei der offiziellen Pressekonferenz übernahm er dann die "volle Verantwortung".

"Es war ein katastrophaler Abend. PSG war besser als wir, mit und ohne Ball. Das Resultat zeigt klar auf, wie es gelaufen ist", sagte Enrique. Ob er gegen das Pressing des Gegners vielleicht die falsche Taktik gewählt habe? "Wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen muss, dann auf mich als Trainer. Wie immer übernehme ich die volle Verantwortung. Weil die Spieler dieselben sind, die sonst gewinnen."

Suarez und Messi abgemeldet

Barcelonas Vorstellung erinnerte an das 0:4 im Champions-League-Halbfinale bei Bayern München 2013. Wie damals wirkten die Stars der Katalanen dem Gegner an Energie und Willen deutlich unterlegen. Luis Suarez, Lionel Messi und Neymar blieben wirkungslos. Der Brasilianer war neben Torhüter Marc-Andre ter Stegen noch Barcas Bester, von Suarez und Messi war kaum etwas zu sehen.

Barcelona, 2013 und 2015 jeweils Sieger im Viertelfinal-Duell mit PSG, gelang es in Paris bis zuletzt nicht, ein Offensivspiel zu entfalten. Messis Genieblitze blieben aus, dafür fabrizierte er einen Fehlpass, der zum 0:2 durch den starken Draxler führte. Retteten die Einzelaktionen der Offensivkünstler Barcelona in dieser Saison des öfteren den Sieg, blieben sie im Prinzenpark dieses Mal aus.

"Es gibt nichts Positives zu erwähnen. PSG war in allen Belangen besser als wir", sagte Andres Iniesta, der im Mittelfeld ebenfalls keine Akzente setzen konnte. Der 32-Jährige war von einer Knöchelverletzung eben erst genesen. Sein Nebenmann Sergio Busquets gab an, dass PSG "körperlich stärker" gewesen sei. In der Abwehr machte sich außerdem der Ausfall von Javier Mascherano bemerkbar. Beachtliche zehn Schüsse auf ter Stegen gaben die Franzosen ab.

Halbfinale als Pariser Minimalziel

Durch die Demontage des fünffachen Siegers rückte in den Hintergrund, dass PSG ein bemerkenswertes Statement abgab. Nicht weniger als das Erreichen des Halbfinales ist das Minimalziel der katarischen Klubbesitzer. Trainer Unai Emery – zuletzt dreimal in Folge mit dem FC Sevilla Sieger in der Europa League – soll das bewerkstelligen. Der schwache Saisonstart unter dem Basken ist spätestens seit Dienstag vergessen.

"Das Spiel lässt uns mit einem guten Gefühl zurück. Aber wir müssen vorsichtig sein, es sind noch 90 Minuten zu spielen", betonte Emery. Die Konzentration müsse nun weiter hoch gehalten werden. Dahingehend mache er sich aber keine Sorgen. "Gegen Barcelona anzutreten ist sehr motivierend, aber auch schwierig", meinte der 45-Jährige.

Das Duell der Südamerika-Fraktionen ging an diesem Abend jedenfalls an jene von Paris. Zwei Geburtstagskinder ragten hervor. Di Maria traf an seinem 29. Geburtstag zunächst per Freistoß und legte vorentscheidend nach. Der seit Dienstag 30-jährige Cavani legte dann mit seinem 34. Treffer im 32. Pflichtspiel der Saison nach. "Wir haben schon in der Vergangenheit große Spiele gezeigt", meinte Cavani, "aber heute war es wirklich etwas Besonderes." (APA, 15.2.2017)

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Magische Nacht in Paris: PSG zerlegt Barcelona

Pressestimmen

Marca: "Historische Schlappe gegen PSG. Barca ist fast weg vom Fenster. Das größte Debakel im 21. Jahrhundert. Ein zerbrochenes Herz in Paris. PSG überrollte Barca. Dieses Barca ist nicht darauf eingestellt, um in Europa zu regieren."

AS: "Barca in Paris im Kriechgang. Ein Gemetzel am Valentinstag. PSG erniedrigt Barca. Barcelona hat in Paris mehr als nur ein Spiel verloren. Eine brutale Vorführung von PSG, bei der Di María, Cavani und Draxler zum Alptraum wurden. Emery erteilt Luis Enrique eine Lektion. Ter Stegen war bei den Gegentoren machtlos."

SPORT: "Dies ist nicht der FC Barcelona, der König dankt im Prinzenpark ab. Emerys Jungs zerstörten Luis Enriques Mannschaft vom Anfang bis zum Ende. Barca war nur noch eine Karikatur seiner selbst. Es war das schlechteste Spiel der letzten Jahre. Es spielten Flugzeuge gegen Skateboards. Die Einzigen, die sich retten, sind Neymar und ter Stegen. Das Ergebnis ist gerecht und verdient. Ter Stegen konnte keine Wunder vollbringen. Draxler war der Konzertmeister. Barca beschmutzt seinen Namen in Europa."

Mundo Deportivo: "Ein Desaster. PSG überrollt ein tödlich verletztes Barca. Es ist die schmerzhafteste Niederlage der Ära Luis Enrique. Emerys Mannschaft war übermächtig gegen einen nicht wiederzuerkennenden Rivalen. PSG war bissig und entwurzelte die Granatblauen. Die Wunde ist tief, fast irreparabel. Weder Lionel Messi noch Luis Suárez waren auf der Höhe. Draxler spielte wie ein Wirbelwind. Barca kann sich bei ter Stegen bedanken, dass es am Ende nur 0:4 stand."

El Pais: "Ein beschämendes und katastrophales Barca. Luis Enriques Mannschaft wurde entstellt. Emerys Mannschaft wurde auf brillante Weise von Di Maria, Cavani und Draxler angetrieben. Die beste Version von PSG zeigte sich mit der Verpflichtung von Draxler. Noch nie gab es unter Luis Enrique eine so beschämende und erniedrigende Niederlage. Der Zusammenbruch der Granatblauen war klar und deutlich, sowohl im individuellen als auch im kollektiven Sinne. Ter Stegen hatte kaum Zeit zum Atemholen."

  • Messi diesmal auf dem Hosenboden anstatt in Jubelpose.
    foto: apa/afp/christophe simon

    Messi diesmal auf dem Hosenboden anstatt in Jubelpose.

  • Letzteres übernahmen die Gastgeber.
    foto: apa/afp/philippe lopez

    Letzteres übernahmen die Gastgeber.

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