Pankreastumoren: Genetische Landkarte entschlüsselt

16. Februar 2017, 09:00
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Forschern zufolge lassen sich neuroendokrine Tumoren der Bauchspeicheldrüse deutlich häufiger auf vererbte Mutationen zurückführen als bislang vermutet

Der Einfluss des Erbguts auf das Risiko an bestimmten Formen von Bauchspeicheldrüsentumoren zu erkranken wurde bislang möglicherweise unterschätzt. Wissenschafter zufolge sind etwa dreimal so viele Fälle auf "Tumorgene" zurückzuführen als bislang angenommen. Diesen Schluss legt eine neue Studie über Neuroendokrine Tumoren des Pankreas (PaNETs) nahe, die nun im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht wurde. Geleitet haben das Projekt Forscher der AOUI (Azieda Ospedaliera Universitaria Integrata) in Verona und der Universität Glasgow.

Die Mediziner sequenzierten dazu das gesamte Genom von 160 PaNETs. Sie zählen zu den seltenen Arten von Bauchspeicheldrüsentumoren, die hormonbildenden (endokrinen) Zellen entstammen. Die Forscher fanden heraus, dass 17 Prozent der untersuchten Fälle in Zusammenhang mit fehlerhaften Erbfaktoren standen. Bis dahin war man von einem Anteil von nur rund fünf Prozent ausgegangen.

Hoffnung auf neue Therapien

In internationaler Zusammenarbeit eruierten die Wissenschafter außerdem, wie Mutationen verschiedene Gene und deren Funktionen beeinflussen. Der Untersuchung zufolge waren vier wichtige Zellprozesse von mutierenden Genen beeinträchtigt. Darunter die Systeme für die DNA-Reparatur, für die Kontrolle von Zellwachstum, für die Regulierung der Zellalterung sowie der Chromosomenstruktur.

Die gesammelten Erkenntnisse sollen nun als Basis für die Entwicklung neuer Therapien herangezogen werden. "Durch die Sequenzierung des Genoms dieser Tumoren haben wir die Beschaffenheit der genetischen Veränderungen entschlüsselt", sagt Aldo Scarpa vom Arc-Net (Center for Applied Research on Cancer) in Verona. "Das ermöglicht es uns, an der Entwicklung gezielter Therapien zu arbeiten, die diesen Veränderungen entgegenwirken."

Biomarker identifiziert

Neuroendokrine Tumoren treten mit 70 Prozent am häufigsten im Magen-Darm-Trakt und der Bauchspeicheldrüse auf. Weitere 20 Prozent dieser Krebsarten betreffen die Lunge, zehn Prozent andere Körperteile wie Haut, Schilddrüse, Nebenschilddrüse oder Nebennieren. "Die durchgeführte Studie ist eine der größten und umfassendsten Studien über neuroendokrine Tumore der Bauchspeicheldrüse", schreibt David Chang, einer der Hauptautoren der Studie.

Das Fazit des Forschers: Man wisse jetzt viel mehr über die Molekularpathologie dieser Tumorart und kenne die spezifischen Mutationswege. "Wir können nun essenzielle Biomarker in diesen Tumoren identifizieren und damit die Behandlungsmethoden verbessern." (maka, 16.2.2017)

  • Die Bauchspeicheldrüse ist ein quer im Oberbauch liegendes Drüsenorgan. Sie bildet Verdauungsenzyme und gibt sie in den Zwölffingerdarm ab.
    foto: wikipedia/gemeinfrei

    Die Bauchspeicheldrüse ist ein quer im Oberbauch liegendes Drüsenorgan. Sie bildet Verdauungsenzyme und gibt sie in den Zwölffingerdarm ab.

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