Montreal führt, entlässt Trainer

15. Februar 2017, 12:11
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Die Canadiens, Leader der Atlantic Division, sind in die Krise gerutscht. Coach Therrien muss gehen, neue Impulse soll ein Nachfolger setzen, der ebenfalls gerade seinen Job verlor

Montreal – Die Montreal Canadiens haben nach der Entlassung von Michel Therrien den Kanadier Claude Julien als neuen Chefcoach verpflichtet. Der 56-Jährige war erst vor einer Woche bei den Boston Bruins entlassen worden, die er 2011 zum Titel geführt hatte. Julien hatte die Canadiens bereits von 2003 bis 2006 betreut und war zum Zeitpunkt seiner Entlassung längstdienender Betreuer in der NHL. Kurios: Bereits 2002/03 war Julien während der Saison von den Habs verpflichtet worden und ersetzte – Michel Therrien.

"Heute haben wir den besten zur Verfügung stehenden Trainer und einen der besten der Liga verpflichtet", sagte Montreals Manager Marc Bergevin: "Ich bin überzeugt davon, dass er die Fähigkeiten besitzt, unser Team auf die Siegerstraße zurückzuführen."

Das ist dringend notwendig. Die Canadiens sind nach hervorragendem Start in die Saison (14 Siege aus den ersten 15 Matches) zuletzt zurück gefallen und weisen die schwächste Februar-Statistik aller NHL-Teams auf. Von seinen letzten sieben Spielen hat der Rekord-Champion (24 Stanley Cups) nur eines gewonnen und liegt in der Eastern Conference auf Platz fünf. Die Atlantic Division führt man zwar nach wie vor an, hat allerdings fünf Matches mehr absolviert als der mit sechs Punkten Rückstand erste Verfolger Ottawa. Alarmierend dabei: das Team ließ bei seinen Niederlagen jegliche Kampfkraft vermissen. Julien hat die Aufgabe das Team aufzuwecken und die Trendwende zu schaffen. Nach einem 0:4 gegen Boston am Sonntag tritt Montreal erst am kommenden Samstag wieder an, fünf Tage für Julien, um erste Impulse zu setzen.

Trotzdem mehrere verletzte Stammkräfte wieder verfügbar sind, nahmen unter Therrien die Probleme überhand. Dem Coach wurde von der bekannt kritischen Habs-Anhängerschaft seine intensive Rotationspolitik vorgeworfen, die ein Einspielen des Teams verunmöglicht habe. Sauer aufgestoßen ist auch, dass Montreal nach einer Führung nicht nachgesetzt, sondern sich stattdessen habe zurückfallen lassen. Das Kardinalproblem der Habs ist, neben der Formschwäche von Keeper Carey Price, Die Durchschlagskraft in der Offensive. In den jüngsten fünf Matches konnte dreimal kein Tor erzielt werden, der diesbezügliche Schnitt im letzten Monat liegt bei erschreckenden zwei Goals pro Spiel.

Die Bilanz von Therrien, der die Canadiens seit 2017 betreut hatte: 271 Siege, 198 Niederlagen und 23 Unentschieden in 542 Matches der Regular Season. Damit nimmt er in der Habs-Historie einen respektablen vierten Platz ein, sowohl was die Anzahl der Matches, als auch jene der Siege betrifft. 2014 führte er die Canadiens ins Conference Finale. In der letzten Saison startete man ebenfalls stark, nach der Verletzung von Price verpasste Montreal allerdings die Playoffs. Noch einmal wollte die Klubführung ein derartiges Desaster nicht erleben und schritt zur Tat.

Therrien ist der fünfte NHL-Coach der in dieser Saison entlassen wurde. Neben seinem Nachfolger Julien mussten auch Ken Hitchcock (St. Louis Blues), Jack Capuano (New York Islanders) und Gerard Gallant (Florida Panthers) vorzeitig gehen. (bausch, 15.2.2017)

NHL-Ergebnisse, Dienstag:

Minnesota Wild – Anaheim Ducks 0:1
Pittsburgh Penguins – Vancouver Canucks 4:0
New Jersey Devils – Colorado Avalanche 3:2
Toronto Maple Leafs – New York Islanders 7:1
Ottawa Senators – Buffalo Sabres 2:3
Winnipeg Jets – Dallas Stars 5:2
Edmonton Oilers – Arizona Coyotes 5:2

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Michel Therrien (ganz rechts) fand keinen Draht mehr zu seinen Cracks.

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