Spionagerazzien bei türkischem Islamverband Ditib

15. Februar 2017, 09:16
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Deutsches Atib-Pendant im Visier der Polizei – Wohnungen islamischer Geistlicher durchsucht

Köln/Ankara – Der türkische Islamverband Ditib ist offenbar wegen Spionageverdachts ins Visier der deutschen Polizei geraten. In den Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hätten Kriminalbeamte Mittwochfrüh die Wohnungen von vier Ditib-Geistlichen durchsucht, berichtete "Spiegel online". Dem Einsatz seien monatelange Ermittlungen gegen den in Köln ansässigen Verein vorangegangen.

Ditib-Imame und -Religionsattachés sollen im Auftrag des staatlichen türkischen Amts für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) Gemeindemitglieder und deutsche Lehrer bespitzelt und angebliche Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen unter ihnen der Türkei gemeldet haben.

Vorwürfe auch in Österreich

Das Verfahren geht auf eine Anzeige des deutschen Grünen-Politikers Volker Beck zurück. Der österreichische Grünen-Abgeordnete Peter Pilz hat zuletzt ähnliche Vorwürfe gegen das heimische Ditib-Pendant Atib (Türkisch-Islamische Union) erhoben und eine Sachverhaltsdarstellung bei der Landespolizeidirektion Wien eingebracht. Laut Pilz verfolgt der türkische Staat auch in Österreich mutmaßliche Oppositionelle, auch Atib werde über Diyanet gesteuert. Der Verein selbst weist die Vorwürfe zurück.

Auch Ditib hatte die Vorwürfe zunächst als "fern der Wirklichkeit" bezeichnet. Später hieß es, einige Imame hätten eine Diyanet-Anweisung fehlinterpretiert.

Zu Ditib gehören in Deutschland rund 900 Moscheegemeinden. Der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, hatte vor einigen Wochen im Düsseldorfer Landtag gesagt, dass mindestens 13 Ditib-Imame angebliche Gülen-Anhänger an die Türkei gemeldet hätten.

Laut "Spiegel online" war die Polizeiaktion bereits für Ende Jänner geplant, wurde jedoch kurzfristig verschoben. Anfang Februar trafen sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Ankara. (APA, 15.2.2017)

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