"Tour de Trump", Rad der Zeit

15. Februar 2017, 08:31
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Ende der 1980er-Jahre entdeckte Donald Trump den Radsport für sich. Die Tour de Trump sollte der Tour de France Konkurrenz machen. Doch nach zwei Jahren war der Spuk vorbei, und Trump zog ab. Das waren Zeiten

New York – Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er nicht auch bei seinem Ausflug in den Radsport gleich den ultimativen Erfolg versprochen hätte. 1989, lange vor seinem Wechsel in die Politik, trat der heutige US-Präsident als Veranstalter der nach ihm benannten US-Rundfahrt Tour de Trump auf. "Dieses Event kann gewaltig werden. Es kann in Konkurrenz zur Tour de France treten", kündigte er vollmundig an, und es fällt einem nicht schwer, sich den Trump-typischen Duktus und die Gestik dazuzudenken. "Huge", "tremendous", "the best" – man kennt das ja inzwischen.

In einigen Jahren, so der damals nur als schwerreicher Unternehmer bekannte Trump, werde sein Rennen eine der "größten und bedeutendsten Radrundfahrten" der Welt sein. Wurde es natürlich nicht. Stattdessen nahm Trump nach zwei Jahren Abstand von seinem vermeintlichen Prestigeprojekt. Was bleibt, ist eine fast vergessene Erzählung von den Anfängen des Radsport-Booms in den USA, voller Beispiele für Trumps narzisstischen Größenwahn und gewürzt mit Anekdoten, die einen heutzutage zum Schmunzeln bringen – oder auch nicht.

Viele Geschichten

Die Geschichte der Tour de Trump beginnt 1987. Ein Jahr zuvor hatte Greg LeMond als erster Amerikaner die Tour de France gewonnen. Und so wurde der Reporter John Tesh nach Europa geschickt, um für den TV-Sender CBS über das größte Radrennen der Welt zu berichten. Tesh, der laut eigener Aussage nicht einmal einen "Fahrradreifen aufpumpen" konnte, war sofort angefixt von der heißen Atmosphäre am Straßenrand. "Warum nicht auch in den USA?", fragte er sich und fand mit Billy Packer, seines Zeichens Basketballkommentator und Unternehmer, einen Mitstreiter.

diablo scott
Eine kleine Zeitreise.

Auf der Suche nach Sponsoren stieß das Duo bald auf den Kasinobesitzer Trump, der sich bereits im American Football und im Boxen als Investor versucht hatte. Gelockt von der Aussicht auf Millionenzuschüsse, schlugen Tesh und Packer den Namen "Tour de Trump" für ihre Radsporterfindung vor. "Ich bin fast vom Stuhl gefallen", erinnerte sich Trump später: "Ich sagte: 'Willst du mich verarschen? Die Medien bringen mich um, wenn ich diesen Namen benutze!'" Aber weil Trump selbst sein größter Fan ist, dauerte es nicht lange, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

"Ein Monster erschaffen"

Und so klang "The Donald" beim Rühren der Werbetrommel vor dem Start der ersten Tour de Trump im Mai 1989 auch schon wieder ganz anders. "Der Name ist ein Plus. Wir haben ein Monster erschaffen", meinte er und fügte, angesprochen auf seine zunehmende Rolle als Sportmäzen, an: "Ich sehe mich nicht als Politiker. Ich sage meine Meinung vielleicht zu direkt. Ich glaube nicht, dass ein guter Politiker immer die Wahrheit sagen kann. Ich sage gern die Wahrheit."

Die Route führte das Feld aus Amateurteams und echten Radstars wie LeMond über zehn Etappen von New York nach Atlantic City vor eines von Trumps Kasinos. Auch der DDR-Sprinter Olaf Ludwig folgte dem Ruf des Preisgelds und gewann neben drei Etappen auch die Punktwertung (1990). Ganz ohne Begleiterscheinungen ging die Rundfahrt allerdings nicht über die Bühne. Beim Finale der ersten Etappe in der Studentenstadt New Paltz empfingen wütende Demonstranten den Tross. "Fight Trumpism", "The Art of Deal = The Rich get Richer" oder "Die Yuppie $cum" stand auf den Plakaten der Demonstranten. Trump war damals der Inbegriff des sozial unverträglichen Turbokapitalismus.

Nach nur zwei Jahren war der Spuk vorbei, Trump zog sich aus dem Sponsoring des Radrennens zurück. Wohl auch, weil ihn mit seinem Bauunternehmen zeitgleich die erste Insolvenz ereilte, über die er bis heute so hartnäckig schweigt. Die letzte Austragung als Tour de Trump gewann Raul Alcala, ein Mexikaner. Das Rennen ging dann mit neuem Namensgeber noch sechs Jahre weiter. Und ganz am Ende war zweimal ein gewisser Lance Armstrong erfolgreich, der danach erst für den Höhepunkt und dann für das Ende des US-Radsportbooms sorgen sollte. Doch das ist eine andere Geschichte. (sid, fri, 15.2.2017)

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    Donald Trump mit dem gelben Trikot der Tour de Trump 1990. "Ich sehe mich nicht als Politiker. Ich sage meine Meinung vielleicht zu direkt. Ich glaube nicht, dass ein guter Politiker immer die Wahrheit sagen kann. Ich sage gern die Wahrheit", hat Trump damals gesagt.

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