Überraschung: Trächtiger Ursaurier entdeckt

14. Februar 2017, 19:51
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Vögel und Krokodile gehören zu den Archosauromorpha, die allesamt Eier legen. Ein alter Fossilfund tanzt nun aber völlig aus der Reihe

Hefei/Wien – Säugetiere tun es, und auch Beuteltiere. Die Praxis ist aber auch bei einigen Echsen- und Schlangenarten verbreitet. Die Rede ist von der sogenannten Viviparie, die nichts anderes bezeichnet als das Lebend-Gebären der Jungtiere. Bei den meisten anderen Wirbeltieren dominiert dagegen die Eiablage, die als Oviparie bezeichnet wird.

Schwierige Abgrenzungen

Eine eindeutige Abgrenzung zwischen den beiden Fortpflanzungsweisen ist nicht so ganz einfach. Mitunter unterscheiden sich auch eng verwandte Arten darin, ob sie nun lebend gebären oder Eier legen – wie etwa der ovipare Feuersalamander und der vivipare Alpensalamander, der in höheren Regionen lebt und deshalb bereits lebende Jungtiere gebiert.

Die große Gruppe der sogenannten Archosauromorpha hingegen, zu denen die heute lebenden Vögel und Krokodile gehören, gelten ausnahmslos als eierlegend. Doch auch von dieser Regel scheint es eine Ausnahme zu geben, die freilich schon ziemlich lange ausgestorben ist. Es handelt sich um einen sogenannten Dinocephalosaurus, der vor 245 Millionen Jahren lebte und auch sonst einigermaßen außergewöhnlich war.

Verdächtiger Bauchinhalt

Gefunden wurde das Fossil dieses Meeresbewohners, der einen extrem langen Hals und einen eher kleinen Kopf besaß, bereits im Jahr 2008 in Südchina. Doch die Entdecker rätselten, wie sie die kleinen knöchernen Reste im Bauch des Tiers interpretieren sollten, erinnert sich Jun Liu von der TU Hefei in China: "Wir waren nicht sicher, ob es sich dabei um die letzte Mahlzeit der Mutter oder um ihr ungeborenes Baby handelte."

Nach genaueren Analysen behaupten die Forscher um Liu nun aber im Fachblatt "Nature Communications", dass es sich tatsächlich um einen Embryo handelt, der im Bauch eines weiblichen Dinocephalosaurus heranwuchs. Für die Annahme sprächen vor allem drei Gründe: Erstens weise der Kopf des Embryos nach vorne, und Beute werde bei diesen wasserlebenden Tieren normalerweise mit dem Kopf voran verschlungen und verdaut.

Argumente für die Viviparie

Zweitens liege der Embryo in einer klassischen Embryonalhaltung im Körper der Mutter, also mit dem Kopf in Richtung Brustkorb gebeugt. Drittens schließlich ist der kleine versteinerte Körper vollständig vom großen umschlossen. Das mache die zufällige Überlagerung durch ein anderes Tier sehr unwahrscheinlich. Schließlich spräche auch das dehnbare Becken des Muttertieres für eine Lebendgeburt.

Dass die Jungtiere tatsächlich lebend zur Welt kamen, schließen die Forscher unter anderem daraus, dass sie keine Hinweise auf eine kalkhaltige Eischale fanden. Es wäre auch sehr ungewöhnlich, wenn die Tiere Eier mit derart weit entwickelten Jungtieren gelegt hätten, schreibt das internationale Team um Liu. Die Paläontologen aus China, Großbritannien, den USA und Australien gehen zudem davon aus, dass bei den Tieren das Geschlecht genetisch festgelegt war – und nicht etwa durch die Umgebungstemperatur, wie das heute bei Krokodilen der Fall ist.

Überleben im Meerwasser

Laut Koautor Michael Benton (Uni Bristol) waren diese Eigenschaften für Dinocephalosaurus und seine Verwandten nötig, um im Wasser überleben zu können: An Land hätten die Tiere mit ihren paddelförmigen Gliedmaßen und dem extrem verlängerten Hals keine Nester bauen können – wie heutige Meeresschildkröten. Im Wasser aber könnten Reptilieneier nicht ausgebrütet werden. (tasch, 14.2.2017)

  • Rekonstruktion des ungewöhnlichen Meeresbewohners, der vor 245 Millionen Jahren die Meere in Südasien unsicher machte. Der weibliche "Giacometti-Saurier" trägt bei genauerer Betrachtung einen angedeuteten kleinen Embryo in seinem Bauch
    dinghua yang & jun liu

    Rekonstruktion des ungewöhnlichen Meeresbewohners, der vor 245 Millionen Jahren die Meere in Südasien unsicher machte. Der weibliche "Giacometti-Saurier" trägt bei genauerer Betrachtung einen angedeuteten kleinen Embryo in seinem Bauch

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