"Wonn i im Herbst an Vogel ...": Jagdfieber in "Guten Morgen Österreich"

14. Februar 2017, 17:12
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Die Vogelfreunde Gosau etwa können einfach nicht anders, als zu jagen und zu besitzen

Jagen und besitzen muss der Mensch. Die Gene futtersuchender Vorfahren, die selbst achtgeben mussten, nicht als Mahlzeit im Magen unfreundlicher Vierbeiner zu landen, rumoren schicksalhaft auch im modernen Homo sapiens. Hauchdünn ist das Eis der Zivilisation. Auch die Unesco hat dies als Naturgesetz erkannt und den uralten Brauch des Vogelfanges im Inneren Salzkammergut zum Kulturerbe erklärt.

Dank dem ORF-Format Guten Morgen Österreich (entwickelt sich zur Fundgrube für Seltsames) ist dies nun allseits bekannt, wie auch dass selbst Tierschützer verstehen müssen: Die Vogelfreunde Gosau etwa können einfach nicht anders, als zu jagen und zu besitzen. Und sie tun es noch motivierter, seit sie durch eine internationale Organisation selbst als schützenswert erkannt wurden, obwohl sie niemand fängt, um sie in Käfige zu sperren. Was Wunder, dass der Papageno, der in Guten Morgen Österreich befragt wird, gegenüber einer diskret doch skeptischen Moderatorin auskunftsfreudig wirkt, so es um die Anpreisung seines Dranges geht:

"Wonn i im Herbst an Vogel hear, da wurlt's in mir scho, da muaß i aufe – auf de Heh, und dann bin i im Wald", wo die schönsten Kreuzschnäbel, Stieglitze, Gimpel und Zeisige sich in flügelfreundlich eingerichteten Netzfallen niederlassen dürfen. Wobei: Der Jäger braucht schon auch Glück: "Wenn der Vogel schön ist, nimmt man ihn heim. Wenn es ein schiacher ist, was sehr oft vorkommt, lässt man ihn gleich von der Falle."

Über die Hässlichkeit tröstet wohl die herrliche Zeit in der Natur samt der Erkenntnis, dass ohnedies nicht mehr als zwölf Vögel gehalten werden dürfen und nun alle – dank des Morgen-TVs – dieses Kulturerbe kennen. (Ljubiša Tošić, 14.2.2017)

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