In den Fußabdrücken von Elefanten floriert das Leben

19. Februar 2017, 10:47
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Wissenschafter fanden in den Spuren der afrikanischen Dickhäuter bis zu 61 verschiedene Tierarten aus 27 Familien

Görlitz – Wenn Elefanten durch die Savanne stapfen, leidet nicht nur die Vegetation, auch das eine oder andere Tier dürfte ihnen dabei unter die Füße geraten. Die Abdrücke, die die Dickhäuter in der Landschaft hinterlassen, haben jedoch durchaus auch positive Auswirkungen: Wie nun internationale Forscher herausgefunden haben, dienen die Fußspuren der Elefanten zahlreichen Tieren als Lebensraum.

"Wir haben nun erstmalig untersucht, welche Tiere von diesen Fußabdrücken profitieren können", erklärt Viola Clausnitzer vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. "Die wassergefüllten Vertiefungen bieten einer erstaunlich vielfältigen Anzahl von wasserlebenden Makroinvertebraten einen Lebensraum." Bis zu 61 verschiedene Arten dieser mit bloßem Auge sichtbaren wirbellosen Kleinlebewesen aus 27 Familien hat Clausnitzer mit ihren Kollegen im Kibale-Nationalpark in Uganda in den Spuren bestimmen können.

Schwimmkäfer und Stechmücken

Hierzu hat das Team aus Portugal, Österreich und Deutschland dreißig natürliche, wassergefüllte Fußabdrücke untersucht und auch selber künstliche Spuren zu Testzwecken angelegt. "Uns hat interessiert wie schnell die Löcher besiedelt werden, welche Tiere diese Mini-Habitate nutzen und wie sich die Zusammensetzung der Organismengruppen mit der Entfernung von natürlichen Gewässern ändern", erläutert Clausnitzer. Insgesamt 2.751 Proben wurden in den dreißig Elefantenspuren genommen. Laut der im "African Journal of Ecology" veröffentlichten Studie waren Wasser- und Schwimmkäferarten in den Proben am artenreichsten vertreten, am häufigsten fanden die Wissenschafter Vertreter von Stechmückenarten.

Bereits nach fünf Tagen haben die Forscher in den achtzehn künstlich angelegten "Fußabdrücken" – etwa dreißig Zentimeter tiefe und breite Löcher, in die ein Eimer eingelassen wurde – 410 Organismen entdeckt. "Die Artenvielfalt nahm ab, je weiter unsere Testspuren von der Wasserquelle entfernt waren – die Löcher scheinen demnach einigen Arten als sogenannte 'step stones' zu dienen, über die sie sich ausbreiten können", fügt die Wissenschafterin hinzu.

Ältere Spuren, größere Vielfalt

Aber nicht nur die Lage der Abdrücke spielt eine Rolle, auch das Alter der Fußspuren und die sonstigen 'Hinterlassenschaften' der Elefanten machen sich in der Zusammensetzung der Fauna in diesen Mikro-Lebensräumen bemerkbar. Je älter die Löcher waren, umso artenreicher war die Lebenswelt in ihnen; die Anzahl der Organismen nahm aber ab. Die Forscher vermuten, dass in den jungen Abdrücken Räuber-Beute-Interaktionen noch keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen – so gibt es zwar viele Tiere, aber die Vielfalt bleibt geringer.

Schon länger ist bekannt, dass Elefanten als "Ökosystem-Ingenieure" arbeiten: Sie reduzieren den Baumbewuchs und halten die Landschaft und für viele Tiere lebenswichtige Wasserlöcher offen. In ihrem Verdauungstrakt wandern Pflanzensamen über viele Kilometer und werden so verbreitet. "Wir haben nun gezeigt, dass der Schutz der bedrohten Dickhäuter auch für die kleinsten Organismen enorm wichtig ist", fasst Clausnitzer zusammen. (red, 19.2.2017)

  • Elefanten erschaffen auf ihrem Marsch durch die Landschaft Mikro-Lebensräume, die schnell von zahlreichen Arten besiedelt werden.
    foto: senckenberg

    Elefanten erschaffen auf ihrem Marsch durch die Landschaft Mikro-Lebensräume, die schnell von zahlreichen Arten besiedelt werden.

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