Mobilfunk: Sendemastenkontrolle per Flugdrohne

21. Februar 2017, 07:00
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Mobilfunkunternehmen leiden unter dem Problem, dass ein Teil ihrer Infrastrukturdatenbanken mit ungenauen Informationen gefüttert ist. Ein Start-up-Gründer will Abhilfe schaffen

Wien – Die Datenmengen, die pro Jahr über Mobilfunknetze verschickt werden, steigen mit enormer Geschwindigkeit an. Allein im vergangenen Jahr haben sie sich knapp verdoppelt. Um die Transferraten zu bewältigen, arbeiten die Mobilfunkanbieter stetig an der Optimierung und Verdichtung der Netze.

Eine Grundvoraussetzung für die Verbesserung der Netzleistung sind akkurate Informationen über die vorhandenen Infrastrukturen, Daten über Position, Orientierung und Ausrichtung der Sende- und Empfangsanlagen. "Die Erfahrungen zeigen, dass 20 bis 30 Prozent dieser Informationen in den Datenbanken der Mobilfunkbetreiber falsch sind", sagt Thomas Neubauer. "Obwohl eine Vielzahl von Prozessen von der Richtigkeit der Daten abhängig ist, gibt es Fälle, wo beispielsweise der Datenbankeintrag um 50 Meter in der Höhe von der tatsächlichen Position abweicht." Die falschen Werte möchte der studierte Nachrichtentechniker mit seinem in Wien ansässigen Unternehmensprojekt Dimetor richtigstellen – mithilfe von Drohnen und Bildanalysealgorithmen.

Neubauer zieht seine Erfahrungen aus einer bereits 20 Jahre währenden Tätigkeit im Telekom-Umfeld. Der Absolvent der TU Wien hat bereits für seine Dissertation eine Software zur Optimierung von Mobilfunksendeanlagen programmiert. Im Jahr 2002 gründete er mit dieser Entwicklung sein erstes Start-up: Symena. Neubauers Optimierungsalgorithmen, die nicht nur bei der Telekom Austria, sondern auch bei Branchenriesen wie Ericsson oder Vodafone weltweit Verwendung fanden, verändern die Parameter an den Sendeanlagen, etwa in welche Richtung sie mit welcher Leistung senden sollen. Das brachte einerseits starke Verbesserungen. Andererseits, so Neubauer, kam in vielen Fällen nicht das erwünschte Ergebnis zustande. Die Analyse zeigte: Die Fehlschläge waren auf falsche Ausgangsdaten zurückzuführen.

Nach dem Verkauf von Symena an einen britischen Telekomdienstleister hat sich Neubauer an die Arbeit gemacht, die Datenmissstände in einem neuen Projekt zum Thema zu machen. Manuelle Korrekturen, bei denen ein Techniker Sendemasten erklimmen muss, sind aus mehreren Gründen problematisch, so der Entwickler: Der Sender muss abgeschaltet werden, was Kunden verärgert. Oft teilen sich mehrere Anbieter die Masten, was bei Abschaltung hohen Koordinationsaufwand verlangt.

Manchmal fehle auch eine Zutrittserlaubnis, um überhaupt zu den Antennen zu gelangen. In jedem Fall seien die Kletterarbeiten aber gefährlich und teuer.

Patente für ein Verfahren, das die Anlagendaten aus Bildinformationen errechnet, per Cloud verarbeitet und weitgehend automatisch in entsprechende Datenbanken einpflegt, hält Neubauer bereits seit ein paar Jahren in den USA und Europa. Eigentlich wollte der Entwickler in einem ursprünglichen Konzept den Antennen mit GPS-Geräten und hochauflösenden Spiegelreflexkameras zu Leibe rücken, um Position und Ausrichtung der Antennen aus den resultierenden Bilddaten herauszurechnen.

In einem Entwicklungsprojekt, unterstützt durch das PreSeed-Programm der Förderagentur AWS, veränderte sich aber der Ansatz. Die rasche Entwicklung der Drohnentechnologie holte das Konzept ein. "Die Drohnen lassen sich in unmittelbarer Nähe positionieren und selbst handelsübliche Geräte bringen mittlerweile entsprechende Sensorik mit, um genaue Positionsdaten zu liefern", sagt Neubauer. "Schon erste Tests haben gezeigt, dass es sehr gut funktioniert."

Die Drohnen haben auch den Vorteil, dass sie bereits im Zusammenhang mit Sendemasten eingesetzt werden. Sie werden etwa verwendet, um nach Sturmschäden die Lage zu inspizieren. In den USA würden die Fluggeräte sogar eingesetzt, um nachzusehen, ob Storchennester – die sich ebenfalls auf einem Sendemasten befinden können – mit Nachwuchs besetzt sind, so Neubauer. Dimetor selbst soll aber keine Drohnenflüge anbieten. Vielmehr will Neubauer die Software global lizenzieren. Firmen, die in diesem Bereich engagiert sind, können so die Datenkorrektur zusätzlich anbieten.

Bildanalyse vor Ort

Im Moment sind Neubauer und seine beiden Kollegen in der Umsetzungsphase. Neue technische Möglichkeiten, die es etwa möglich machen, dass die Bildanalyse vor Ort bei der Drohne erfolgt, sollen genutzt werden. Die Teilsysteme müssen zu einer leicht bedienbaren Anwendung integriert werden. Für die Kommerzialisierung – ein fertiges Produkt könnte frühestens Ende des Jahres vorliegen – sollen Partner und Investoren gefunden werden.

Neubauer zweifelt nicht daran, dass Bedarf an seiner Lösung besteht. "In den USA werden etwa alle Handy-Anrufer des 911-Notrufs durch die Behörden geortet. Dort müssen Telekomanbieter regelmäßig hohe Strafzahlungen leisten, weil die Ortung aufgrund falscher Senderdaten nicht genau funktioniert", ist eines der Beispiele des Unternehmers. (Alois Pumhösel, 15.2.2017)

  • Die manuelle Kontrolle von Sendemasten ist teurer. Drohnen können dagegen kostengünstig Bilder der Anlagen anfertigen, aus denen wichtige Daten extrahiert werden können.
    foto: dimetor

    Die manuelle Kontrolle von Sendemasten ist teurer. Drohnen können dagegen kostengünstig Bilder der Anlagen anfertigen, aus denen wichtige Daten extrahiert werden können.

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