Katzian: Zwölf-Stunden-Regelarbeit nicht mit uns

14. Februar 2017, 12:14
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GPA-djp-Vorsitzender zuversichtlich, dass sich Sozialpartner in Verhandlungen zu Arbeitszeitflexibilisierung und Mindestlohn einigen

Wien – Der Vorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp, Wolfgang Katzian (SPÖ), hat zu den laufenden Verhandlungen der Sozialpartner über Mindestlohn und Arbeitszeitflexibilisierung ausgeschlossen, dass es eine Regelarbeitszeit von zwölf Stunden geben werde. Das stehe offenbar im "Traumkatalog" einiger, höre man sich Aussagen der vergangenen Wochen an. Aber: "Mit uns nicht", sagte Katzian am Dienstag.

Grundsätzlich sei er aber zuversichtlich, dass – wie von der Regierung gefordert – bis Juni eine Einigung der Sozialpartner in den "durchaus schwierigen Verhandlungen" gefunden werde. "Schöne Gesetze und Vereinbarungen sind machbar, sie müssen aber auch kontrolliert werden", sagte Katzian zur Nebendebatte um das Vorgehen der Arbeitsinspektorate. "Wir brauchen ein starkes Arbeitsinspektorat." Katzian kritisierte "Versuche, es zu einem zahnlosen Tiger zu machen, der nur berät". Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hatte zuletzt überbordende Kontrollen und Strafen kritisiert.

Müller im Gespräch

Konkreter wollte Katzian mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht werden, auch nicht bezüglich der Frage, wie weit sich die Gewerkschaften bei Arbeitszeit und Mindestlohn bewegen könnten. Lieber bekräftigte Katzian Sorgen über Arbeitszeiten im Handel und konkret zur Drogeriemarktkette Müller. Diese habe eine Mitarbeiterin gekündigt, die einen Betriebsrat gründen wollte. Bei der Kette müsse also etwas nicht stimmen, so Katzian.

Auch All-in-Verträge seien bei den Gesprächen nicht außer Acht zu lassen. Die GPA-djp bekräftigte am Dienstag ihre Forderung, dass solche Verträge nur für Führungskräfte ab einer bestimmten Entgelthöhe angewendet werden sollten. Vorbild könnte die Konkurrenzklausel sein, so Katzian. "Denn grundsätzlich handelt es sich um kein gutes Modell für Arbeitnehmer. Das rechnet sich für die Betroffenen nicht."

Das Angestelltengesetz regle klar, dass es diese nur gebe, wenn das Gehalt ein 20-Faches der Höchstbeitragsgrundlage beträgt. Zudem müssten Arbeitnehmer frei wählen können, ob sie auf Einzelstundenbasis oder All-in entlohnt werden wollen – also sollten sie gegebenenfalls auch laufend aus All-in-Verträgen aussteigen können.

Enden wollende Transparenz

Den im Vorjahr lancierten "All-in-Rechner" der GPA haben inzwischen knapp 51.000 Menschen benutzt. Er dient als Überschlagsrechnung, ob man nicht durch einen solchen Vertrag eigentlich zu gering entlohnt wird. Genaue Nachrechnungen, wenn einem im Zuge der Onlineberechnung etwas seltsam vorkommt, bietet die Gewerkschaft in den Regionalbüros an. Soeben wurden auch die nachrechenbaren Branchen deutlich erweitert. Denn "allzu oft ist die Transparenz enden wollend", sagte die Chefin der GPA-djp-Rechtsabteilung, Andrea Komar.

Laut einer Sonderauswertung der Statistik Austria aus dem Jahr 2013 haben mehr als eine halbe Million Arbeitnehmer eine All-in-Vereinbarung. Der All-in-Rechner der Gewerkschaft ist unter allinrechner.at erreichbar. (APA, 14.2.2017)

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