Alijew-Tod: Ermittlungen werden vorerst nicht wiederaufgenommen

14. Februar 2017, 12:06
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Ergänzungsgutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen liegt vor: keine Anhaltspunkte für Fremdbeteiligung am Ableben Alijews in der Haft

Wien/Astana – Das Ermittlungsverfahren um den Tod des ehemaligen kasachischen Botschafters Rachat Alijew wird von der Staatsanwaltschaft nicht wieder aufgenommen. Sie beruft sich auf das Ergänzungsgutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen, das nun vorliegt. Daraus hätten sich "weiterhin keine Anhaltspunkte für eine Fremdbeteiligung am Ableben von DDr. Rachat Alijew" ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft Wien am Dienstag mit.

"Die in einem Privatgutachten getroffene Schlussfolgerung, wonach DDr. Rachat Alijew durch fremde Hand getötet worden sei, kann nach ausführlicher Erörterung einschlägiger Fachliteratur aus gerichtsmedizinischer Sicht nicht bestätigt werden", erklärte die Staatsanwaltschaft. Für eine Tötung durch Erdrosseln fanden sich keinerlei Hinweise, wurde betont.

Der Fortführungsantrag der Witwe Alijews ist allerdings noch nicht entschieden. Dafür ist das Straflandesgericht Wien zuständig. Und dessen Entscheidung ist noch ausständig.

Im Februar 2015 tot aufgefunden

Der frühere kasachische Botschafter in Österreich, der in Wien wegen des Mordes an zwei kasachischen Bankern angeklagt wurde, war am 24. Februar 2015 tot in seiner Einzelzelle aufgefunden worden. Die Justiz ging von Selbstmord aus, nachdem sowohl der Wiener Gerichtsmediziner Daniele Risser in seinem Obduktionsbefund als auch das mit der Gutachtenserstellung beauftragte Rechtsmedizinische Institut in St. Gallen keine Hinweise auf Fremdverschulden gefunden hatten.

Zweifel von Gerichtsmediziner Brinkmann

Dass damit die Todesursache eindeutig geklärt war, zweifelte allerdings der deutsche Gerichtsmediziner Bernd Brinkmann massiv an, den Alijews Anwälte Manfred und Klaus Ainedter beigezogen hatten. In einem 18-seitigen Privatgutachten kam Brinkmann zu dem Schluss, dass kein Suizid vorlag, sondern Alijew von fremder Hand getötet wurde.

Der Experte schloss das aus punktförmigen Blutungen unterhalb der Strangmarke. Dass sich Alijew mit Mullbinden an einem Kleiderhaken erhängt hatte, war für Brinkmann damit ausgeschlossen. Vielmehr soll Alijew mittels Kompression des Brustkorbs bei gleichzeitigem Verschluss von Mund und Nase ("Burking") zu Tode gebracht worden sein. Diese Flecken sind laut dem Ergänzungsgutachten der St. Gallener Rechtsmedizin jedoch Totenflecken, sagt die Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft, Nina Bussek.

Schweizer Experte widerlegt Brinkmann

Brinkmann hatte außerdem ausgeführt, dass Stauungsblutungen oberhalb der Strangmarke bei einem Suizid in der beschriebenen Form mit Mullbinden nicht möglich gewesen seien. Der Schweizer Experte Roland Hausmann habe das anhand der einschlägigen Fachliteratur eindeutig widerlegt, betonte Bussek.

Ergänzungsgutachten mit 30 Seiten

Insgesamt umfasst das Ergänzungsgutachten 30 Seiten, in denen sich Hausmann mit jedem einzelnen von Brinkmann angeführten Punkt auseinandersetzt. Für diese Expertise wurde laut Bussek auch die Fotodokumentation vom Auffindungsort der Leiche und der Leichenöffnung eingearbeitet, die Hausmann beim ursprünglichen Gutachten nicht zur Verfügung gestanden war.

Auch für eine körperliche Auseinandersetzung oder eine sonstige gewaltsame Einwirkung vor dem Tod hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben, so Bussek. Zusammenfassend sei der Sachverständige zu der Schlussfolgerung gelangt, dass sich "sämtliche Befunde widerspruchsfrei einem suizidalen Erhängen zuordnen lassen und sich somit im Vergleich zum Vorgutachten keine Änderungen in der Einschätzung einer Fremdbeteiligung am Tod des Genannten" ergeben würden.

Gebrochenes Brustbein sorgte für Aufregung

Für Aufregung hatte zuletzt gesorgt, dass Gerichtsmediziner Risser in seinem Obduktionsbefund von einem intakten Brustbein geschrieben hatte, das St. Galler Institut für Rechtsmedizin hingegen einen "querverlaufenden Bruch des Brustbeins knapp unterhalb des Ansatzes der zweiten Rippe" fand. "Letzterer wies grobsichtig jedoch keine eindeutige Blutungsreaktion auf und dürfte daher postmortal entstanden sein", schreibt Hausmann. Eine solche Verletzung könnte auch bei der vorherigen Obduktion in Wien entstanden sein, sagten dazu Experten. (gra, APA, 14.2.2017)

  • Rachat Alijew (Archivbild von 2004) wurde am 24. Februar 2015 tot in seiner Einzelzelle in Wien aufgefunden.
    foto: heribert corn

    Rachat Alijew (Archivbild von 2004) wurde am 24. Februar 2015 tot in seiner Einzelzelle in Wien aufgefunden.

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