Dietmar Kerschbaum wird neuer Linzer Brucknerhaus-Chef

    14. Februar 2017, 11:10
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    Intendant des "jOPERA jennersdorf festivalsommer" mit sieben zu vier Stimmen gewählt – Kommission beriet insgesamt 15 Stunden

    Linz – Der Intendant des "jOPERA jennersdorf festivalsommer" Dietmar Kerschbaum wird 2018 Hans-Joachim Frey als künstlerischer Leiter der Linzer Veranstaltungsgesellschaft (LIVA), zu der auch das Linzer Brucknerhaus gehört, nachfolgen. Die Hearing-Kommission habe nach intensiven Beratungen mehrheitlich eine Entscheidung getroffen, teilte das Büro von Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) am Dienstag mit.

    "Insgesamt mehr als 15 Stunden hat die Kommission getagt. Die Bewerbungen und persönlichen Präsentationen wurden intensiv diskutiert", heißt es in der Presseaussendung. Von insgesamt 43 Bewerbern waren sieben Favoriten in die Endrunde am Montag gelangt. Schlussendlich fiel die Wahl mit sieben zu vier Stimmen (eine Enthaltung) auf den österreichischen Intendanten und Sänger. In der nächsten Sitzung des LIVA-Aufsichtsrates am 10. März wird der 47-Jährige dort als neuer Leiter vorgeschlagen.

    Vielfältige Tätigkeiten bisher

    "Die Karriere von Dietmar Kerschbaum reicht vom Musiker und Sänger bis hin zur internationalen Festivalorganisation. Die Erfahrung, welche er durch seine vielfältigen Engagements und Tätigkeiten mit sich bringt, würde die Linzer Kulturlandschaft maßgeblich bereichern", streute ihm Luger Vorschusslorbeeren.

    Kerschbaum studierte zunächst Trompete an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, danach absolvierte er ein Schauspielstudium am Prayner Konservatorium und gleichzeitig ein Gesangsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Seine ersten Engagements führten den Tenor nach Düsseldorf, Berlin und Nürnberg. 1999 debütierte er mit 28 als jüngster Eisenstein an der Wiener Volksoper in "Die Fledermaus". Er sang aber auch vier Jahre den Pedrillo in Stefan Herheims Neuproduktion von Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" bei den Salzburger Festspielen. Als Monostatos unter Riccardo Muti debütierte er in "Die Zauberflöte" an der Met in New York.

    Schon als Kind sei er Schulsprecher gewesen, später Studentenvertreter. Während seines Engagements an der Staatsoper "Unter den Linden" in Berlin fasste er dann den Entschluss, unter die Intendanten zu gehen. Er und seine Kollegen seien vom Regietheater frustriert gewesen. "Immer ging es nur um die Regie und nicht um uns" als Sänger, meinte er.

    Und so zog es ihn 2002 nach Hause ins Burgenland, in seinen Heimatort Jennersdorf wo er den "jOPERA jennersdorf festivalsommer" gründete, dessen Intendanz er seitdem innehat. Rund 10.000 Besucher kommen zu dem regionalen Event mit rund 50 Veranstaltungen in den Bereichen Oper, Kinderoper, Konzert und Bildender Kunst ins Südburgenland. Von 2009 bis 2013 war er auch Intendant des Festivals "treartesKultTour im Dreiländerland" Österreich-Slowenien-Ungarn. Darüber hinaus leitete er von 2010 bis 2012 die "Internationale Sommerakademie PragWienBudapest". 2011 bis 2014 hatte Kerschbaum das Gesamtmanagement des länderübergreifenden EU-Projektes "TourKult" inne. 2016 rief er das internationale Festival "321go" ins Leben.

    Manager gesucht

    Gesucht wurde ein "erfahrener Kulturmanager mit weitreichenden Kenntnissen im Musik- und Veranstaltungswesen sowie mit internationalen Netzwerken", so Luger. Denn auf den neuen LIVA-Chef wartet keine leichte Arbeit: Er soll das Brucknerhaus sowie das Internationale Brucknerfest neu programmieren. Frey, der das Haus seit 2013 führt, war zuletzt wegen schwacher Besucherzahlen, aber auch wegen eines Kontrollamtsberichts in die Kritik geraten. Er wird Linz spätestens mit Jahresende verlassen und geht als Leiter des internationalen Kultur- und Festivalzentrums, das am Gelände des Presse- und Medienzentrums der Olympischen Winterspiele 2014 entsteht, nach Sotschi. (APA, 14.2.2017)

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