Was es kostet, in Österreich einen eigenen Mobilfunker zu starten

14. Februar 2017, 08:27
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Es sind gute Zeiten, um in den Markt einzusteigen. Die Kosten sind überschaubar, der Markt in Bewegung

Die Einstiegshürden sind niedrig, die Kosten überschaubar, und der Markt ist durch wechselwillige Konsumenten in Bewegung. Es war noch nie so günstig, von Grund auf als Mobilfunker in Österreich zu starten. Gleich zwei Möglichkeiten bieten sich an: Entweder man startet als virtueller Anbieter (Mobile Virtual Network Operator, MVNO) oder als sogenannter Branded Reseller. Zuletzt gründete der Fußballverein Rapid Wien mit Rapid Mobile einen Mobilfunkableger und wurde somit der 36. Anbieter im Lande.

"Mit einer Million Euro ist man locker dabei"

Als virtueller Mobilfunker mietet man sich in ein bestehendes Handynetz ein und erspart sich so den Erwerb notwendiger Mobilfunkfrequenzen sowie den Aufbau eigener Masten samt dazugehöriger Infrastruktur. Selbst muss man sich nur um Verrechnung, Technik, Marketing und Vertrieb kümmern. "Mit einer Million Euro ist man locker dabei", sagte ein altgedienter Mobilfunkmanager dem STANDARD.

Die Möglichkeit, bestehende Netze zu nutzen, ist das Ergebnis der Übernahme des Mobilfunkers Orange durch "3" im Jahr 2012. Die EU-Wettbewerbshüter haben damals "3" vorgeschrieben, sein Netz zu günstigen Bedingungen an Quereinsteiger zu vermieten. Daraufhin öffneten auch A1 und T-Mobile ihre Infrastruktur.

"3" verrät die Kosten auf seiner Webseite

Der Netzbetreiber "3" ist es auch, der auf einer Webseite verrät, wie viel Geld virtuelle Untermieter bei ihm abliefern müssen. Das einmalige Set-up kostet 200.000 Euro, dazu kommen noch die Kosten für verbrauchte Minuten, SMS und Daten. Demnach müssen pro SMS 0,4 Cent, pro Sprachminute ein Cent und pro Megabyte Daten ab 1,5 Cent bezahlt werden – dabei gilt, dass es umso billiger wird, je mehr Daten die Kunden verbrauchen. Zum Beispiel müssen für 250 verbrauchte Sprachminuten, zehn SMS und drei Gigabyte Daten etwa sieben Euro an "3" bezahlt werden. Dazu kommen noch Kosten für Auslandstelefonate.

Kostenlose eigene Vorwahl

Die Preise von "3" gelten als Richtwert, die als Obergrenze für alle Anbieter angesehen werden können. Mit Verhandlungsgeschick lassen sich wohl bessere Konditionen aushandeln. Die eigene Vorwahl wird von der Telekombehörde RTR kostenlos zugeteilt. Ab einem Jahresumsatz von über 300.000 Euro muss man 1,5 Promille als Finanzierungsbeitrag an die RTR abliefern.

Den technischen Unterbau für den Betrieb des Mobilfunkers samt Kundenverwaltung mit Verrechnung bekommt man für wenige Hunderttausend Euro. So bietet das burgenländische Unternehmen I-New virtuellen Netzwerkbetreibern die Softwarebasis als "MVNO in a box"-System an und betreibt das System auf Wunsch auch für den Kunden.

Branded Reseller

Weitere Kosten fallen für Mitarbeiter, Firmengründung, SIM-Karten, Callcenter und Apps an. Der größte Brocken sind aber Marketing und Vertrieb, sagt Claudia Winkler, die derzeit in Deutschland und Österreich den Mobilfunker goood aufbaut. Laut der ehemaligen Telekom-Austria-Managerin geben Mobilfunker bis zu 25 Prozent ihrer Einnahmen für die Kundengewinnung aus.

foto: apa
Für Mobilfunker ist der Verkauf von Handys ein gutes Geschäft.

Deutlich billiger ist es, als Branded Reseller an den Start zu gehen. Als solcher tritt man als Verkäufer eines etablierten Players in Erscheinung, mit eigener Marke und der Möglichkeit, eigene zusätzliche Angebote an die Kundschaft zu bringen. Um die Werbung muss man sich selbst kümmern. Dafür bekommt man eine Provision, die derzeit bei rund einem Euro pro Kunden liegt.

Weitere Anbieter starten 2017

Das Mobilfunkumfeld ist fordernd, zwischen den Anbietern tobt ein harter Verdrängungswettbewerb. Seit Ende 2014 sind in Österreich 13 neue Mobilfunker aktiv geworden. Der erfolgreichste davon ist Hot, der laut eigenen Angaben seit seinem Start 2016 knapp 700.000 Kunden gewinnen konnte. Andere Newcomer können von solchen Zahlen derzeit nur träumen. Trotzdem werden auch dieses Jahr weitere neue Anbieter ihr Glück versuchen. (Markus Sulzbacher, 14.2.2017)

  • Neue Anbieter haben in den letzten Jahren das Match um Handykunden hierzulande stark befeuert und so für sehr niedrige Tarife gesorgt. Weitere Newcomer wollen 2017 auf den Markt kommen.
    foto: reuters

    Neue Anbieter haben in den letzten Jahren das Match um Handykunden hierzulande stark befeuert und so für sehr niedrige Tarife gesorgt. Weitere Newcomer wollen 2017 auf den Markt kommen.

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