Van der Bellen in Brüssel: Ein europäischer Seufzer der Erleichterung

14. Februar 2017, 07:12
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Van der Bellen wurde in Brüssel umschmeichelt und zu einem Helden im Kampf gegen den Rechtspopulismus hochgehoben

"Ungemein freundlich und herzlich" sei der Empfang in Brüssel gewesen. Das gelte sowohl für Jean Claude Juncker, den Präsidenten der Europäischen Kommission, als auch für Donald Tusk, den Präsidenten des Europäischen Rates, der im Übrigen viel sympathischer sei als in den Medien dargestellt, resümierte Bundespräsident Alexander Van der Bellen seinen Besuch in Brüssel. Und zeigte sich verblüfft: Die Bedeutung seines Wahlsieges gegen den freiheitlichen Kandidaten Norbert Hofer sei außerhalb Österreichs offenbar viel intensiver wahrgenommen worden, als er sich das gedacht habe.

"Ein Seufzer der Erleichterung ist durch die Hauptstädte der Union und ihre Institutionen gegangen", sagte Van der Bellen. Es habe sich gezeigt, dass man mit eindeutigen und glasklaren Positionen und einem Bekenntnis zur Europäischen Union auch Wahlen gewinnen könne, das sei offenbar für viele auch ein ermutigendes Signal gewesen. Immerhin hatte Tusk Van der Bellen seine Bewunderung und seinen Respekt ausgesprochen. "Sein Wahlsieg ist ein Zeichen der Hoffnung für Millionen geworden", sagte Tusk. Auch Juncker fand ähnliche Worte, Van der Bellen habe gezeigt, was man dem Rechtspopulismus entgegenhalten könne.

Van der Bellen will "aus negativer Grundstimmung herauskommen"

Dass Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ihn bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel begleitet hat, wertet Van der Bellen als "eine Verdoppelung des Signals", dass die EU für Österreich als unverzichtbar wahrgenommen wird. Es sei eine totale Illusion zu glauben, dass europäische Kleinstaaten ihre nationalen Interessen alleine besser wahrnehmen könnten als im Verbund mit der Europäischen Union. Und mit dieser Botschaft könne man die Bürger durchaus auch mitnehmen, sagte Van der Bellen im Rückblick auf seinen Wahlkampf.

Wichtig sei es jetzt, aus der negativen Grundstimmung herauszukommen, dass sich in der Union ohnedies nichts bewege. Die Dinge bewegten sich zwar langsam, aber es gebe Fortschritte. Die Union sei das größte und bemerkenswerteste Friedensprojekt, "das sollte uns wieder stärker bewusst werden, das sollten wir nach innen und nach außen tragen", sagte Van der Bellen am Vorabend seiner Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg am Dienstag. Van der Bellen: "Es ist ein Geschenk, das wir uns gemacht haben, das dürfen wir nicht aus Faulheit oder Überdruss aufgeben." Im Gegenteil, dafür lohne es sich zu kämpfen. Der Präsident glaubt auch, dass der Wahlsieg von Donald Trump in den USA das europäische Miteinander noch befördern könnte. (Michael Völker, 14.2.2017)

  • Mit eindeutigen Positionen und einem Bekenntnis zur EU ließen sich auch Wahlen gewinnen, sagte Alexander Van der Bellen in Brüssel.
    foto: apa/afp/emmanuel dunand

    Mit eindeutigen Positionen und einem Bekenntnis zur EU ließen sich auch Wahlen gewinnen, sagte Alexander Van der Bellen in Brüssel.

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