Influenza: Auf der Suche nach dem Rundumschlag

    13. Februar 2017, 17:13
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    Es gibt viele Spielarten des Influenza-Virus – diese Wandelbarkeit macht eine treffsichere Impfung zur Herausforderung

    Mit der Frage, wie gut das Immunsystem mit allen 18 Influenzasubtypen zurecht kommt, setzte sich ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung auseinander. Im Fachblatt "Nature Immunology" zeigen sie mit immunologischen Landkarten, wie unterschiedlich Menschen gegen die zahlreichen Varianten geschützt sind und fanden auch Antikörper, die es mit allen Stämmen aufnehmen.

    Unter den Subtypen des Influenza-Virus sind für den Menschen nur wenige gefährlich. So etwa die Varianten H1 und H3 sowie früher auch der mittlerweile ausgestorbene Stamm H2. "Viele andere Subtypen zirkulieren aber in Vögeln. Manche davon sind hoch pathogen und führen beispielsweise bei Hühnern innerhalb von nur zwei Tagen zum Tod", erklärte der aus Österreich stammende Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York.

    Von Tier zum Mensch

    Immer wieder schwingt im Zusammenhang mit Vogelgrippe-Ausbrüchen die Angst mit, dass solche Erreger auch Menschen infizieren. Tatsächlich passiert das bei manchen Varianten von H5 und H7 vor allem in Ostasien bereits – bisher allerdings ohne Ansteckung von Mensch zu Mensch. Geht eine solche Infektion aber etwa von Geflügel auf Menschen über, liege die Sterberate mit etwa 50 Prozent sehr hoch, so Krammer.

    Das Team, dem mit Studien-Erstautor Raffael Nachbagauer und Peter Palese zwei weitere österreichische Forscher angehörten, befasste sich mit der Frage, wie immun Menschen eigentlich gegenüber den verschiedenen Virus-Varianten sind. Das sei vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass seit dem Jahr 2009 Antikörper bekannt sind, "die zugleich mehrere Subtypen neutralisieren können. Das ist sehr außergewöhnlich, denn normalerweise wirken sie sehr spezifisch", so der Forscher.

    Immunologische Landkarte

    Solchen und anderen Antikörpern spürten die Forscher nun bei Patienten nach, die schon einmal mit H1- oder H3-Erregern infiziert waren und deren Abwehrsystem dadurch einen "Boost" erfahren hat, wie es Krammer ausdrückte. Ihnen gegenüber stellten sie Menschen, die keine Influenzainfektionen hatten, um die Grundausrüstung mit einschlägigen Antikörpern in der gesamten Bevölkerung abzuschätzen.

    "Aus unseren Daten konnten wir sozusagen immunologische Landkarten erstellen", erklärte Krammer. Je nachdem, ob eine frühere H1- oder H3-Infektion stattgefunden hat, präsentierten sich diese sehr unterschiedlich. Es zeigte sich, dass eine H1-Infektion auch durchwegs das Rüstzeug gegen andere Varianten verbesserte. Krammer: "Man könnte annehmen, dass jemand, der mit dem H1-Virus infiziert wurde und eine starke und breite Antikörperantwort entwickelt, zum Beispiel kaum mehr mit H5 infiziert werden kann. Das ist auch aus der Sicht der öffentlichen Gesundheit natürlich sehr interessant", wenn es nämlich zu einer H5-Pandemie kommt, und es darum geht, einen wirkungsvollen Impfstoff zu entwickeln.

    Alter als kritische Größe

    Beim Blick auf die Antikörperverteilung in verschiedenen Altersgruppen zeigte sich, dass vor allem jene Influenza-Stämme, mit denen die Personen in ihrer Kindheit konfrontiert waren, die spätere Immunität entscheidend beeinflussen. "Bei älteren Menschen (zum Untersuchungszeitpunkt im Alter von 49 bis 64 Jahren, Anm.), die in der Kindheit noch mit H2 infiziert wurden, finden wir noch immer viele Antikörper dagegen.

    Danach waren sie mit H1 konfrontiert. Das hat dazu geführt, dass sie eine recht breite Antikörper-Antwort auf sehr viele Stämme haben", sagte der Wissenschafter. Im Falle einer hypothetischen H5-Pandemie wären diese Leute womöglich besser geschützt, als 18- bis 20-Jährige. Eben weil Abwehrsysteme von vornherein so unterschiedlich aufgestellt sind, sei davon auszugehen, dass auch Impfstoffe sehr unterschiedlich wirken.

    Gefahr von Doppelinfektion

    Über alle Altersgruppen hinweg, war die Immunität gegenüber manchen Subtypen jedoch relativ gering – darunter auch H7 und H15. Gerade mit H7 "haben wir mittlerweile in China große Probleme, weil das Virus dort Menschen infiziert und tötet", so Krammer.

    Da das dort vor allem im Winter passiert, wo es auch vermehrt zu Doppelinfektionen mit H1 oder H3 kommen kann, sei es denkbar, dass die Stämme genetische Information austauschen und vielleicht Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich werden. "Das wäre dann die nächste Pandemie", so Krammer. Die Erkenntnis, dass Menschen über zwar wenige, aber breit wirkende Antikörper verfügen, lasse nun viele Forschungsgruppen über die Entwicklung neuer, universell wirkender Impfstoffe nachdenken. (APA, 13.2.2017)

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