Überangebot durch Asyl und Migration: Weiterhin steigende Arbeitslosigkeit

13. Februar 2017, 13:33
754 Postings

Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt bis 2018 laut einer Prognose der EU-Kommission auf 6,2 Prozent

Brüssel – Die EU-Kommission rechnet in ihrer Winterprognose für Österreich mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von 6,0 Prozent im Jahr 2016 auf 6,1 Prozent für 2017 und 6,2 Prozent für 2018. Das Arbeitskräfteangebot sei durch die starke Zuwanderung aus anderen EU-Ländern und durch die steigende Zahl anerkannter Asylwerber merklich gestiegen, erklärte die Kommission am Montag.

Obwohl auch die Beschäftigung stetig zunehme, könne die österreichische Wirtschaft das steigende Arbeitskräfteangebot nicht völlig aufnehmen, weshalb die Arbeitslosenrate weiter steigen werde. 2015 betrug die Arbeitslosenrate in Österreich noch 5,7 Prozent.

Niedrige Rate

Im Vergleich zum EU-Durchschnitt hat Österreich damit noch immer eine niedrige Rate. Für die Eurozone erwartet die Kommission allerdings einen starken Rückgang der Arbeitslosenquote von 10,0 Prozent im Jahr 2016 auf 9,6 Prozent 2017 und 9,1 Prozent 2018. Auch für die gesamte EU rechnet die Kommission mit einem Rückgang auf 8,1 Prozent im laufenden Jahr und 7,8 Prozent im nächsten.

Die Investitionen und der Privatkonsum haben nach Ansicht der Kommission von der Einkommensteuerreform profitiert, sie sind zum Hauptantrieb für Wachstum geworden. Deutlich hätten sich die Häuserpreise und Mieten entwickelt, nicht nur in Wien, sondern in allen größeren Städten Österreichs. Die Investitionen in den Bau neuer Wohnungen würden aber nur moderat zunehmen, obwohl der Bedarf durch Migration und Bevölkerungswachstum zunehmen werde.

Export wird wachsen

Die österreichische Exportwirtschaft wird nach Ansicht der EU-Kommission in den kommenden Jahren weiter wachsen, obwohl die Aussichten für den Weltmarkt und den globalen Handel unsicher seien. Österreichs Exportwirtschaft sollte jedoch in der Lage sein, flexibel auf veränderte Handelsbedingungen zu reagieren und wegen der starken Konzentration auf die EU eine stabile Aussicht haben.

Österreichs Budgetdefizit wird nach Schätzungen der Kommission von 1,4 Prozent im Jahr 2016 auf 1,2 Prozent im laufenden Jahr und auf 0,9 Prozent im Jahr 2018 zurückgehen. Auch die staatliche Gesamtverschuldung soll von 83,5 Prozent 2016 auf 81,3 Prozent 2017 und 79,3 Prozent 2018 sinken. Die Ausgaben für Flüchtlinge würden von 2017 an schrittweise zurückgehen, im Einklang mit der sinkenden Zahl von Neuankömmlingen.

Zeichen stehen europaweit auf Wachstum

Trotz protektionistischer Töne aus den USA und der anstehenden Brexit-Verhandlungen stehen die Zeichen in Europa nach Ansicht der Kommission auf Aufschwung. "Erstmals seit fast einem Jahrzehnt ist in allen EU-Mitgliedsstaaten für den gesamten Prognosezeitraum (2016–2018) Wachstum zu erwarten", teilte die Kommission mit.

Für die Eurozone rechnet sie heuer mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,6 Prozent, das 2018 auf 1,8 Prozent ansteigen dürfte. Dennoch sei der Ausblick mit einer ungewöhnlich hohen Unsicherheit behaftet. Dazu zählten unter anderem die noch unklare Ausrichtung der US-Regierung unter Donald Trump, eine Vielzahl von Wahlen in Europa und die anstehenden britischen EU-Austrittsverhandlungen.

Wirtschafts- und Finanzkommissar Pierre Moscovici verwies mit Blick auf das Brexit-Votum darauf, dass sich die Wirtschaft in Europa trotz Störfeuers von außen als widerstandsfähig erwiesen habe. Daher sei es wichtig, alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Unterstützung des Wachstums zu nutzen.

Reformanstrengungen nicht vernachlässigen

EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis mahnte die Staaten zugleich, bei ihren Reformanstrengungen nicht nachzulassen. Angesichts einer anziehenden Inflation dürften sie sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass die für Konjunkturimpulse sorgende ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auf Dauer bestehen bleibe: "Deshalb sollten Länder mit hohem Haushaltsdefizit und hohem Schuldenniveau diese weiter zurückführen, um widerstandsfähiger gegen wirtschaftliche Schocks zu werden."

Die EU-Kommission erwartet zudem, dass die Verbraucherpreise im Euroraum 2017 um 1,7 Prozent steigen werden. Damit würde die Inflationsrate nur leicht unter der von der EZB angestrebten Marke von knapp zwei Prozent bleiben. Um ihr Ziel zu erreichen, pumpt die EZB bereits seit März 2015 Woche für Woche über den Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem. Banken sollen dadurch angeregt werden, mehr Kredite zu vergeben. (APA, 13.2.2017)

  • Die Zeichen in Europa stehen nach Ansicht der EU-Kommission auf Aufschwung.
    foto: apa/dpa/sebastian widmann

    Die Zeichen in Europa stehen nach Ansicht der EU-Kommission auf Aufschwung.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.