Presseschau zu Haders "Wilde Maus": Der "mühelos lustigste" Berlinale-Film

13. Februar 2017, 12:49
8 Postings

Kritiker fühlen sich von Josef Haders Regiedebüt erheitert, machen aber eher keine Bären-Chancen aus

Berlin/Wien – Als vergnüglichen Ausflug zwischen nachdenklichen und politischen Filmen im Wettbewerb hat Berlinale-Direktor Dieter Kosslick Josef Haders "Wilde Maus" angekündigt. Und als ebensolcher wurde die österreichische Tragikomödie von Kritikern am Wochenende auch gerne angenommen, zeigt eine Rundschau. Mit Preisen oder Erfolg außerhalb des deutschsprachigen Raums wird aber eher nicht gerechnet.

Der Hollywood Reporter schreibt, "Wilde Maus" sei eine "liebenswürdige Farce" und "behandelt einen bekannten und mitunter oberflächlichen Stoff, mischt dem aber selbstironischen Humor bei. Es ist nicht der originellste oder anspruchsvollste Film der Berlinale, aber es ist der vielleicht mühelos lustigste."

Die Variety schreibt von einem "visuell versierten, aber nicht erinnerungswürdigen Regiedebüt", in dem Hader "die Verzweiflung seiner Figur sowohl ernst nehmen als auch lächerlich machen" wolle – "wobei der Schwerpunkt auf letzterem liegt. Mit Charakteren, die nie tiefer gehen, als man es in einem lauen Comedy-Sketch erwarten würde, (...) hat der Film wenig Chancen außerhalb deutschsprachiger Territorien."

Laut dem Magazin Screen habe Hader "stets sarkastisch (...) ein ernsthaftes Problem damit, seinen zynischen Blick auf seine Figuren innerhalb eines funktionierenden Skripts zusammenzuhalten. Nach dem vielversprechenden ersten Akt löst sich die Handlung zunehmend in eine Reihe von Sketchen auf, deren Pointen wegen dünner Figuren oder fehlendem dramatischen Zusammenhang nicht aufgehen. Haders Ruf mag den Film durch deutschsprachige Länder bringen, aber sobald Untertitel hinzugefügt werden, geht der Großteil der Ironie wahrscheinlich verloren."

Die Welt hingegen hält "Wilde Maus" für eine "elegante, konsequente, perfekt genrevermixende Gesellschaftsgroteske. Hilft brutal gegen Selbstüberschätzung. Lässt einen lachen über den eigenen Narzissmus. Warnt vor dem Aufweichen der Grenzen von Leben und Arbeit. Tolles Ding. Böse und lustig."

Eine "echte Bären-Chance" räumt die Berliner Morgenpost dem Streifen "wohl nicht" ein. "Dafür ist er viel zu unterhaltend und rasend komisch. Aber mit seinem Regiedebüt setzt Hader der Berlinale ein erstes echtes Highlight."

Deutsche Welle lobt Hader als Schauspieler, der nach als Stefan Zweig in "Vor der Morgenröte" nun "auch in seinem eigenen Filmdebüt als Darsteller großartig" sei. "Die Geschichte, die "Wilde Maus" anfangs so konzentriert erzählt, zerfasert allerdings im Laufe des Films, die Charaktere erreichen kaum Tiefe, die Spitzen gegen den Wandel in der Medienlandschaft werden durch ein paar Albernheiten um ihre Wirkung gebracht. Und doch ist "Wilde Maus" ein vergnüglicher Film. Auch das muss es ja geben bei einem Wettbewerb eines großen Filmfestivals. Neben all den verrätselten Kunstfilmen, den gut gemachten oder nur gut gemeinten Polit-Dramen und Gesellschaftsstücken."

Der Tagesspiegel setzt mit seiner Einschätzung schon vor dem Filmstart im festivalkino an: "Vor dem Eingang zu "Wilde Maus" von und mit Josef Hader kam es fast zu Prügeleien, weil nicht alle hineinkamen. Es gibt ungefähr ein Dutzend Szenen, die mir diesen Film unvergesslich machen (...). Ein sauguter Film."

Für die Berliner Zeitung "gelingt es Hader, seinen Georg, so armselig er mitunter wirkt, niemals lächerlich zu machen. Das Komische gründet stets im Tragischen, das Satirische im Erlebten. Am Ende sitzt Georg als das da, was er nicht zuletzt in den Augen seiner Frau schon länger ist. Ein schrulliger, alter Mann."

Kritisch meint rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg: "Wilde Maus" ist aber nicht gerade eine Empfehlung für weitere Filmprojekte mit Josef Hader als alleinigem Regisseur und Drehbuchautor. Der Film hat visuell – von der hübsch von oben gefilmten zentralen Szene im Schnee und einigen kurzen Einblicken in den heruntergekommenen Charme des Wiener Praters abgesehen – nicht viel zu bieten. Der fahrige Plot macht zudem mehr Nebenstränge auf, als er sinnvollerweise zusammenführen kann. Da ist das absurd abrupte Ende dann schon fast wieder folgerichtig, weil jeder Versuch einer Abrundung der Geschichte hätte scheitern müssen. (APA, 13.2.2017)

Share if you care.