Flexibilisierung: AK-Chef befürchtet massive Verluste für Arbeitnehmer

13. Februar 2017, 12:21
221 Postings

Die Sozialpartner sollen für das umstrittene Thema bis Juni eine Lösung haben. Derzeit ist man weit auseinander

Wien – Die Arbeitszeitflexibilisierung, Teil des Arbeitsprogramms der Regierung, wurde an die Sozialpartner ausgelagert. Bis Juni sollen dabei Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die Unternehmen wünschen sich diesbezüglich schon lange bis zu zwölf Stunden Höchstarbeitszeit pro Tag – ohne Überstundenzuschläge, um Auftragsspitzen abzuarbeiten. Zehn Stunden seien zu wenig, lautet das Argument auf Unternehmerseite.

Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, hat dazu jüngst erklärt: "Die zwölf Stunden Höchstarbeitszeit am Tag kosten die Menschen letztlich null, denn sie müssen im Jahr nicht länger arbeiten, und es fallen keine Überstundenzuschläge weg."

Überstundenabschaffungsprogramm

Anders sehen das naturgemäß Gewerkschaften und Arbeiterkammer. Sie befürchten ein Überstunden-Abschaffungsprogramm. Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske erklärte im Ö1-"Morgenjournal" am Montag, die Arbeitszeiten seien bereits sehr flexibel. "Es ist heute schon alles möglich." Dass Aufträge nicht erledigt werden könnten, glaubt Kaske nicht.

Die Realisierung der Wünsche der Arbeitgeber – zehn Stunden Normalarbeitszeit, zwölf Stunden Höchstarbeitszeit, 60 Stunden Wochenarbeitszeit, zwei Jahre Durchrechnung – würde "zu massiven Verlusten bei den Arbeitnehmern führen", sagt Kaske. "Da können wir ganz sicherlich nicht mit." Laut AK-Berechnungen würde ein Wegfallen der Überstundenzuschläge einen Einkommensverlust bei den Arbeitnehmern von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro bedeuten.

Wenn über zwei Jahre durchgerechnet werde, blieben keine Überstunden mehr übrig, so der AK-Präsident, der darauf hinweist, dass es ausreichend Ruhephasen und Freizeitblöcke brauche. Ohnedies gelte es im Auge zu behalten, dass Einkommensverlust für die Wirtschaft Kaufkraftverlust bedeute, so Kaske, der weiter gesprächsbereit bleiben will.

Leitl will über Zuschläge am ende reden

Ob und wie in Zukunft Überstunden entlohnt werden, darauf wollte sich WKÖ-Chef Christoph Leitl am Montag im ORF-"Mittagsjournal" nicht festlegen.

Über Zuschläge müsse man am Ende der Verhandlungen reden, so Leitl. 70 Prozent der Arbeitnehmer seien für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, um Aufträge zu erledigen. Wenn es zu mehr Arbeit komme, wolle jeweils ein Drittel der Befragten mehr Geld, mehr Gestaltungsraum für die Freizeit oder einen Zeitpolster für schlechtere Zeiten. "Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Wahlfreiheit", sei es mehr Zeit für die Kinderbetreuung im Sommer, Weiterbildung oder Einkommen. Man müsse alle in fairer Weise berücksichtigen.

"In keiner Weise nachvollziehbar" und "polemisch" seien die von AK-Präsident Rudolf Kaske genannten 1,5 Mrd. Euro, die Arbeitnehmer durch den Wegfall von Überstundenzuschlägen verlieren würden, wenn es zu einer zweijährigen Durchrechnungszeit der Arbeitszeiten komme. Es sei der Sozialpartner nicht würdig, vor Beginn der Verhandlungen solche Zahlen zu nennen. (APA,red, 13.2.2017)

  • Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske sieht derzeit noch wenig Positives in den Wünschen der Unternehmer.
    foto: apa/neubauer

    Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske sieht derzeit noch wenig Positives in den Wünschen der Unternehmer.

Share if you care.