Neuer Bundespräsident Steinmeier: Deutschland als "Anker der Hoffnung"

12. Februar 2017, 17:38
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Der frühere Außenminister wurde mit großer Mehrheit zum deutschen Staatschef gewählt

Alles so schön bunt hier. Da muss Angela Merkel mal hingreifen. Und so sieht man am Sonntag im Deutschen Bundestag Szenen, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt: Die deutsche Bundeskanzlerin inspiziert die knallorangen Fransen am Kostüm von Dragqueen Olivia Jones höchstpersönlich. Fußball-Bundestrainer Jogi Löw schaut interessiert zu.

1260 Wahlleute sind in den Reichstag geladen, um ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. 630 Bundestagsabgeordnete und ebenso viele Delegierte, die von den Ländern entsandt werden. Darunter sind auch Promis wie Veronica Ferres, Hape Kerkeling oder Peter Maffay. Sie sollen das Volk repräsentieren, dieses ist ja von der Wahl eines deutschen Staatsoberhauptes ausgeschlossen.

Aus Österreich ist Ex-Bundespräsident Heinz Fischer angereist, er wählt aber nicht mit, sondern sitzt auf der Ehrentribüne. Auf ungewohntem Platz befindet sich auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Die SPD hat ihn natürlich extra in die erste Reihe gebeten. Dort lauscht er, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert die Sitzung eröffnet und dabei US-Präsident Donald Trump kritisiert: "Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordert und sich sprichwörtlich einmauert, wer statt auf Freihandel auf Protektionismus setzt und gegenüber dem Zusammenarbeiten der Staaten Isolationismus predigt, wer damit zum Programm erklärt: 'Wir zuerst!', darf sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtun."

Nur ein Wahlgang nötig

Dann beginnt die Wahl, und niemand hat Zweifel, dass Frank-Walter Steinmeier, der Kandidat von SPD und Union, den auch Grüne und FDP unterstützen, schon im ersten Wahlgang die nötige absolute Mehrheit bekommt.

931 Stimmen sind es genau, wie Lammert später verkündet. Das ist eine Zustimmung von 75 Prozent, das fünftbeste Ergebnis für einen deutschen Bundespräsidenten. Doch die ganz große Koalition aus Union, SPD, FDP und Grünen hätte eigentlich mitsammen 1106 Stimmen, nur Union und SPD gemeinsam 923 Stimmen.

Einen Achtungserfolg erzielt Armutsforscher Christoph Butterwegge, der von den Linken nominiert wurde. Die Linke hat 95 Stimmen, Butterwegge bekommt aber 128. AfD-Kandidat Albrecht Glaser erhält 42 Stimmen, obwohl nur 35 AfD-Leute im Saal anwesend sind.

Menschen brauchen Mut

Sieger Steinmeier wird sofort von den Parteichefs umringt und mit Blumensträußen überhäuft. "Sehr gern" nehme er die Wahl an, erklärt er und erinnert in seiner ersten kurzen Rede daran, dass Deutschland in "stürmischen Zeiten" für viele Menschen in der Welt zu einem "Anker der Hoffnung" geworden sei.

Die Deutschen aber dürften nie vergessen: "Wenn wir anderen Mut machen wollen, dann brauchen wir selbe welchen." Es brauche Mut, um "zu bewahren, was wir haben: Freiheit und Demokratie". Denn "unser Fundament ist nicht unverwundbar, aber es ist stark". Zu den Gratulanten gehört auch Alexander Van der Bellen. Er freut sich auf eine "enge Zusammenarbeit" ab dem 19. März. (Birgit Baumann aus Berlin, 12.2.2017)

  • Frank-Walter Steinmeier ist ab 19. März Bundespräsident.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Frank-Walter Steinmeier ist ab 19. März Bundespräsident.

  • Ungewöhnliche Szenen: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Dragqueen Olivia Jones im deutschen Bundestag.
    foto: apa/afp/axel schmidt

    Ungewöhnliche Szenen: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Dragqueen Olivia Jones im deutschen Bundestag.

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