"Bunte Verschwendung" für den gierenden Klimt-Markt

12. Februar 2017, 16:41
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Im Windschatten eines Megadeals sucht nun ein 45-Millionen-Dollar-Klimt einen neuen Besitzer

Wien – Die Chronik der diskret hinter den Kulissen des öffentlichen Kunstmarktes vermittelten Private Sales ist, wie dieser Tage bekannt wurde, um eine nennenswerte Klimt-Episode reicher: Für kolportierte 150 Millionen Dollar trennte sich Oprah Winfrey bereits im Sommer vergangenen Jahres von dem Porträtgemälde Adele Bloch-Bauer II. Laut Bloomberg handelt es sich bei dem neuen Besitzer um einen asiatischen Sammler.

Das Bild war 2006 zusammen mit anderen Werken nach einem jahrelangen Disput an die Erben nach Bloch-Bauer restituiert und anschließend bei Christie's in New York versteigert worden. Über das Telefon hatte die US-Talklegende damals bei einem Gebot von 78,5 Millionen Dollar den Zuschlag erhalten. Inklusive Aufgeld schlug sich der Erwerb mit stattlichen 87,93 Millionen Dollar zu Buche. Bis heute markiert das den weltweit höchsten je bei einer Versteigerung für ein Gemälde Gustav Klimts erzielten Wert.

Heißbegehrte Klimts

Damit dürfte sich Milliardärin Winfrey über eine satte Rendite von gut 70 Prozent gegenüber dem einstigen Kaufpreis gefreut haben. Praktisch hatten laut Bloomberg der Musik- und Filmproduzent David Geffen und Kunsthändler Larry "Go-Go" Gagosian beim jüngsten Deal ihre Finger im Spiel. Die Höhe der in der Branche üblichen Provisionen ist unbekannt.

Gesichert hingegen ist, dass Gemälde Gustav Klimts auf dem internationalen Kunstmarkt heißbegehrt sind. Denn das malerische OEuvre des Künstlers war im Umfang vergleichsweise überschaubar geblieben, und das Gros aus wichtigen Werkperioden befindet sich in Museumsbeständen.

Verfügbar bleibt folglich nur die in Privatbesitz verwahrte knappe Menge an Bildern, deren Wert sich in den vergangenen Jahren vervielfachte: um zumindest 50, wenn nicht 70 Prozent innert zehn Jahren oder gar um das Zehnfache im Vergleich zu den Mitte der 1990er-Jahre erzielten Preisen.

"Luftig lustige Fröhlichkeit"

Der Zeitpunkt, einen Klimt zu verkaufen, ist im Windschatten des eingangs erwähnten Megadeals trefflich gewählt. Wie Sotheby's am Wochenende in einer Aussendung bekanntgab, gelangt am 1. März in London der Bauerngarten zur Versteigerung. Das Bild datiert aus dem Jahr 1907 und hatte sowohl die zeitgenössische Kritik als auch Kollegen begeistert. Für Berta Zuckerkandl repräsentierte es "den Segen der Natur in bunter Verschwendung". Anton Faistauer verwies auf den Reiz "luftig lustiger Fröhlichkeit" dieser einem "persischen Gartenteppich" gleichenden Komposition.

Das Gemälde war einst im Bestand der Národní-Galerie Prag, die es 1968 im Tauschweg abgab. 1994 gelangte es bei Christie's in London zur Versteigerung und wechselte für umgerechnet 5,8 Millionen Dollar in Privatbesitz. Ein aktueller Schätzwert wurde nicht beziffert. Dem Vernehmen nach sollen sich die Erwartungen im Bereich von 45 Millionen Dollar (rund 42 Mio. Euro) bewegen. (Olga Kronsteiner, 12.2.2017)

  • 1907 verewigte Gustav Klimt diesen "Bauerngarten", der nun aus Privatbesitz bei Sotheby's in London zur Auktion kommt und etwa 45 Millionen Dollar einspielen soll
    foto: sotheby's

    1907 verewigte Gustav Klimt diesen "Bauerngarten", der nun aus Privatbesitz bei Sotheby's in London zur Auktion kommt und etwa 45 Millionen Dollar einspielen soll

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