Knappes Bauland behindert Ölz-Expansion in Vorarlberg

13. Februar 2017, 07:00
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Für einen weiteren Standort der Großbäckerei soll die Landesgrünzone angeknabbert werden

Bregenz – Ölz, der Meisterbäcker, ist auf Herbergssuche. Was in Vorarlberg, obwohl 290 Hektar gewidmeter Betriebsflächen unbebaut sind, ein Problem zu sein scheint. Fünf Jahre schon bemühe er sich um einen passenden zweiten Standort in Vorarlberg, sagt Bernhard Ölz, geschäftsführender Gesellschafter des Dornbirner Familienunternehmens. Bisher erfolglos. Die einzige passende Fläche befindet sich in der Landesgrünzone, der Widerstand ist groß.

Dass für Ölz in Weiler (Bezirk Feldkirch) 4,9 Hektar aus der Landesgrünzone umgewidmet werden sollen, ruft Landwirtschaftskammer, Grüne und Anrainer auf den Plan. Sie befürchten einen Dammbruch, weitere neue Betriebsgebiete in der Grünzone würden in der Folge entstehen.

Die 13.626 Hektar umfassende Landesgrünzone im Rheintal und Walgau wurde vor 40 Jahren zur Erhaltung von Freiflächen, vorrangig für die Landwirtschaft, geschaffen. Die Abteilung Raumplanung erhielt dafür 1986 den renommierten Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz.

Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser (VP) befürwortet die Umwidmung, weil er die Abwanderung von Ölz ins benachbarte Allgäu befürchtet. Dort könne man Betriebsgrundstücke bereits für 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter erwerben, "bei uns kosten sie das Zehnfache", sagte Rüdisser bei einer öffentlichen Diskussion.

Abwanderung kein Thema

Abwanderung ist für Ölz jedoch keine Option. Vom STANDARD befragt, ob er sich die Umsiedlung des Betriebes innerhalb Vorarlbergs vorstellen könne, beispielsweise nach Bludesch (Bezirk Bludenz), wo die Illwerke/Vkw eine Industriebrache verkaufen würden, winkte Ölz ab. Ein kompletter Umzug aus Dornbirn käme nicht infrage, sagte Ölz, als Zweitstandort wäre der Bezirk Bludenz zu weit entfernt.

Für die Umwidmung der Grünfläche in Weiler läuft das Behördenverfahren. Rund 200 Stellungnahmen wurden abgegeben, die nun im Landhaus geprüft werden müssen. Die Landwirtschaftskammer fürchtet um fruchtbare Anbauflächen, die im gebirgigen Vorarlberg rar sind. Ausgerechnet bester Boden würde in Weiler verbaut, kritisiert die Landwirtschaftskammer. Die Bodengüte, bewertet nach Bodenklimazahl, ist hoch. Die Ertragsfähigkeit erreicht einen Wert von 68, damit zählt das Grundstück in Weiler zu den 15 Prozent der besten Böden im Bundesland.

Bis zu 300 neue Arbeitsplätze

Ölz möchte die Fläche in mehreren Stufen, abhängig von der Geschäftsentwicklung, ausbauen. Im Endausbau will er 300 Arbeitsplätze schaffen, anfangen will er mit 100. Das Arbeitsplatzargument begründet für Rüdisser öffentliches Interesse.

Gegner des Projekts sehen keine Notwendigkeit, Grünflächen anzutasten. Sie verweisen auf 290 Hektar gewidmetes Betriebsgebiet, das noch unverbaut sei. Andere Bundesländer hätten Instrumente zur Baulandmobilisierung, Vorarlberg nicht. Landesstatthalter Rüdisser, auch für Raumplanung zuständig, bestätigt die Hortung von Bauland: "Besitzer halten die Flächen im Vorrat." Darunter seien auch große Betriebe, die Grundstücke für ihre eigene Entwicklung bevorraten. Rüdisser sucht nun nach Möglichkeiten, Bauland zu mobilisieren.

Ölz versteift sich nicht unbedingt auf den Standort Weiler: "Wir haben fünf Jahre gesucht, jetzt hoffe ich, dass sich im sechsten Jahr etwas tut und wir ein Grundstück finden", sagte er zum STANDARD. Das 1938 gegründete Unternehmen ist für Weißbrot (Toastbrot und Zopf) bekannt und machte zuletzt einen Umsatz von 203,6 Millionen Euro. Die Exportquote beträgt 47,7 Prozent. Ölz beschäftigt 920 Menschen, 553 davon in Vorarlberg. (jub, 13.2.2017)

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