Deutscher Doll holt Gold im Sprint vor Boe

    11. Februar 2017, 16:12
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    Mit einer Skilänge Vorsprung ist der 26-jährige Benedikt Doll Weltmeister. Das warme Wetter machte nicht nur dem siebentplatzierten Julian Eberhard zu schaffen. Viele Favoriten scheiterten deshalb am Schießstand

    Hochfilzen – Querschüsse hat die Biathlon-WM in Hochfilzen in der ersten Woche bereits zu Genüge erlebt. Zuerst die Razzia im kasachischen Team-Hotel, die Streiterei zwischen Biathlon-Star Martin Fourcade und dem russichen Team und das Thema Doping, das die Biathlon-Gemeinschaft zu spalten droht.

    Der deutsche Staffel-Weltmeister Arnd Peiffer fand drastische Worte für die aktuellen Spannungen bei den Skijägern: "Auch wenn immer von der Biathlon-Familie die Rede ist, eine Familie sind wir nun sicher nicht."

    Dabei steigt in Hochfilzen ein Biathlon-Fest, das seine erste dramatische Entscheidung erlebt hat. In einem Hochgeschwindigkeits-Rennen lief der Deutsche Benedikt Doll mit seinem ersten Sieg zum WM-Titel im 10-km-Sprint. Der 26-Jährige setzte sich 0,7 Sekunden vor dem ebenfalls fehlerfrei schießenden Norweger Johannes Thingnes Bö und 23,1 vor Titelverteidiger Martin Fourcade (FRA/2 Strafrunden) durch.

    Heißes Rennen

    Julian Eberhard war in der Loipe unnachahmlich unterwegs, schoss aber sowohl in der ersten Runde am Schießstand liegend als auch in der zweiten Runde stehend einmal daneben. "Das warme Wetter war heute brutal. Durch die hohen Temperaturen und die tiefe Strecke, kommst du mit einer hohen Belastung zum Schießstand. Es war aber eine gute Leistung, auch wenn mehr möglich gewesen wäre", sagte Eberhard.

    Bei strahlendem Sonnenschein kamen fast alle Favoriten nicht ohne Fehlschüsse durch. Die zahlreichen deutschen Zuschauer im Biathlon-Stadion peitschten ihre Läufer nach vorne, mussten aber auf eine Medaille bis zur ihrem Schlussläufer warten.

    Für Österreich bleibt der Schießstand ein Unglücksort. Dominik Landertinger nimmt die 12,5-km-Verfolgung am Sonntag (14.45 Uhr/live ORF eins) nach drei Fehlschüssen als 17. und 1:11,5 Minuten nach Doll in Angriff. "Beim Schießen hat es mich gefressen. Du musst auf der Strecke voll durchpowern. Die Scheiben im Rhythmus durchzuarbeiten, war heute nicht leicht", sagte Landertinger.

    War Nervosität vor einer WM-Heim-Kulisse mit schuld? "Nein. Das ist das Schöne am Biathlon. Wenn du 10 Millimol Laktat hast, ist dir das wurscht, ob da im Hintergrund eine Heim-WM ist." Auch Simon Eder unterliefen drei Fehler, 1:17,0 Minuten Rückstand ergaben für den Salzburger den 22. Rang.

    Startnummern-Rennen

    Es war in gewisser Art und Weise auch ein Glücksspiel mit den Startnummern. Julian Eberhard entschied sich "aus dem Bauch heraus" für eine frühere Nummer, weil "ich nicht zu lange warten wollte, meinen mentalen Ablauf nicht ändern wollte". Ähnlich wie im gestrigen Damen-Sprint dürfte die Strecke im Verlauf des Nachmittags durch aufkommenden Schatten schneller geworden sein. Der Wind, immer ein großer Faktor beim Schießen, blies zwar nicht heftig, drehte aber vor allem zu Beginn des Rennens stark.

    "Ich bin heute um eine Medaille gestartet", sagte Eberhard, der unmittelbar vor Rekordweltmeister Ole Einar Björndalen zumindest sein bisheriges WM-Topergebnis (26. in der Verfolgung 2016) deutlich unterbot. Der Deutsche Benedikt Doll holte nach Mixed-Gold und Sprint-Silber von Laura Dahlmeier schon die dritte DSV-Medaille bei dieser WM. Der Norweger Johannes Thingnes Boe war natürlich auf der anschließenden Pressekonferenz not amused mit Platz zwei. "Das ist nicht lustig. Es war knapp, ich hatte eine 50:50-Chance. Die letzten zwei Kilometer waren die Hölle. Ich hatte keine Energie mehr. Der Kopf wollte aber gewinnen, nur meine Beine leider nicht."

    Am Sonntag geht die Verfolgung bei Damen (10.30 Uhr) und Herren (14.45 Uhr) in Szene. Nach dem Sprint ist Julian Eberhard einzige ÖSV-Medaillenhoffnung. (Florian Vetter aus Hochfilzen, 11.2.2017)

    Ergebnisse der Biathlon-WM in Hochfilzen vom Samstag – 10-km-Sprint Herren:

    1. Benedikt Doll (GER) 23:27,4 Min. (0 Fehlschüsse=Strafrunden) 2. Johannes Thingnes Bö (NOR) +0,7 Sek. (0) – 3. Martin Fourcade (FRA) +23,1 Sek. (2) – 4. Lowell Bailey (USA) 29,5 (0) – 5. Ondrej Moravec (CZE) 30,7 (1) – 6. Krasimir Anew (BUL) +33,5 (0) – 7. Julian Eberhard (AUT) 35,3 (2) – 8. Ole Einar Björndalen (NOR) 38,4 (1) – 9. Simon Schempp (GER) 40,0 (1) – 10. Jewgenij Garanitschew (RUS) 45,1 (1).

    Weiter: 17. Dominik Landertinger (AUT) 1:11,5 Min. (3) – 21. Anton Schipulin (RUS) 1:14,7 (3) – 22. Simon Eder (AUT) 1:17,0 (3) – 50. Daniel Mesotitsch (AUT) 1:57,5 (2). Die besten 60 für 12,5-km-Verfolgung am Sonntag (14.45 Uhr) qualifiziert. 102 Athleten klassiert.

    Weltcupstand Herren – Gesamt:

    1. Fourcade 872 – 2. Schipulin 568 – 3. Schempp 554 – 4. Arnd Peiffer (GER) 490 – 5. Bö 479 – 6. Emil Hegle Svendsen (NOR) 462.

    Weiter: 9. Eberhard 430 27. Landertinger 217 – 32. Mesotitsch 189 – 36. Eder 164

    Sprint nach 6 Rennen:

    1. Fourcade 322 – 2. Eberhard 222 – 3. Svendsen 207

    • Ein echter Überraschungs-Weltmeister: Benedikt Doll.
      foto: reuters/foeger

      Ein echter Überraschungs-Weltmeister: Benedikt Doll.

    • Norwegens Johannes Thingnes Bö wirft sich mit dem Ski voraus ins Ziel. Es hat um einen Wimpernschlag nicht gereicht.
      foto: apa/gindl

      Norwegens Johannes Thingnes Bö wirft sich mit dem Ski voraus ins Ziel. Es hat um einen Wimpernschlag nicht gereicht.

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