Trump-Interview: Murdoch als Elefant im Raum

10. Februar 2017, 17:17
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Medienzar war bei "Bild"-Interview mit dem US-Präsidenten dabei

Der Scoop war spektakulär, dementsprechend ausführlich fiel die Berichterstattung aus. Seitenweise schilderte die "Times" im Jänner den Inhalt und die Umstände des Interviews mit Donald Trump, das sie gemeinsam mit der "Bild" geführt hatte. Ex-Minister und Brexit-Vorkämpfer Michael Gove vertrat die ehrwürdige Londoner Zeitung. Von "Bild"-Seite war der damalige Herausgeber Kai Diekmann dabei. Aus der Entourage des damals noch zukünftigen US-Präsidenten habe nur dessen 28-jährige Presseberaterin Hope Hicks den nur selten unterbrochenen Monologen ("wie ein Hochwasser führender Fluss") des 70-Jährigen beigewohnt, teilte "Times"-Mann Gove mit.

Dass ein Fünfter am Gipfeltreffen im 26. Stock des New Yorker Trump Tower teilnahm, erfuhr hingegen weder die "Times"- noch die "Bild"-Leserschaft. Mit vierwöchiger Verspätung hat es jetzt das Londoner Wirtschaftsblatt "Financial Times" ("FT") enthüllt: Der globale Medienunternehmer Rupert Murdoch, stolzer Besitzer von Goves Zeitung und Freund des deutschen Axel-Springer-Verlages, vervollständigte die Runde.

Die ungewöhnliche Diskretion des Boulevardkönigs Diekmann und des für seine Geschwätzigkeit bekannten konservativen Politikers Gove dürfte Teil einer erprobten Strategie sein. Murdoch wollte zeit seiner langen Karriere stets mit den Mächtigen im Einvernehmen sein – nur wissen sollte es keiner. Als er Geschäfte mit den Kommunisten in China machen wollte, ließ der Medienzar Peking-kritische Kanäle von seinem Satellitensender entfernen. Für die Premierministerin Margaret Thatcher trommelten seine Blätter ebenso begeistert wie für deren Labour-Nachfolger Tony Blair. Im Gegenzug räumten ihm beide unliebsame Gewerkschaften aus dem Weg.

Dass Murdoch mit Trump geschäftliche und familiäre Bande geknüpft hat, war kürzlich in der "FT" nachzulesen: Bis Ende Dezember agierte Präsidententochter Ivanka als Aktien-Treuhänderin für Murdochs minderjährige Töchter Grace und Chloe.

Den britischen Aufseher Ofcom haben jetzt parteiübergreifend prominente Politiker dazu aufgefordert, sich der Gesamtübernahme des Satellitensenders Sky durch die Murdoch-Holding in den Weg zu stellen. Die Gruppe weist auch auf den Abhörskandal beim eingestellten Murdoch-Blatt "News of the World" hin. (Sebastian Borger aus London, 10.2.2017)

  • Stiller Gast beim Trump-Interview: Rupert Murdoch.
    foto: apa/afp/getty images/al bello

    Stiller Gast beim Trump-Interview: Rupert Murdoch.

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