Österreichischer Wein wird knapp

11. Februar 2017, 17:00
352 Postings

Die geringen Ernten der letzten Jahre werden schlagend: Bei Sorten wie Sauvignon blanc oder Muskateller wird das Angebot kleiner

Wien – Im vergangenen Jahr gab es im Sommer viel Regen und dann auch noch Frost in der Steiermark und dem Burgenland. Eine qualitativ hochwertige, mengenmäßig aber geringe Weinernte von zwei Millionen Hektolitern war das Ergebnis. Auch in den Jahren davor waren die Ernten unterdurchschnittlich. Bis zu 2,8 Millionen Hektoliter können geerntet werden, wie 2008 geschehen; im langjährigen Schnitt sind es 2,5 Millionen Hektoliter.

Dadurch werden Sorten knapp: vor allem Sauvignon blanc und der frostempfindliche Muskateller. Auch vom Zweigelt wird weniger auf den Markt kommen. Bei den Rotweinen aber ist das Problem nicht so akut, erläutert Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager, denn vom Roten kommen jetzt erst einmal die Jahrgänge 2014 und 2015 in den Verkauf.

Marktanteilsverluste drohen

Da in Österreich gut 2,5 Millionen Hektoliter Wein im Jahr getrunken werden, tut sich bei geringeren Ernten schnell eine Lücke auf. Zwar gab es, immer stark schwankend, Importe – so 2014/25 in Höhe von 700.000 Hektolitern. Aber natürlich haben die Weinbauern Interesse daran, dass der Inlandskonsum möglichst aus eigenem Angebot gedeckt wird. Und der Export soll weiterhin so florieren wie in den letzten Jahren.

Im eben veröffentlichten Jahresbericht 2016 der Österreich Wein Marketing wird von einem zunehmenden Versorgungsproblem berichtet. Weinmarketingchef Wilhelm Klinger verweist auf gestiegene Trauben- und Fassweinpreise, was natürlich zu Preiserhöhungen im Verkauf führt. Er befürchtet einen "spürbaren Marktanteilsverlust im Preiseinstiegssegment", sprich bei den Billigweinen.

Auslandsvermarktung weiterführen

Dadurch ergibt sich für die Winzer nun ein Vermarktungsproblem: Was tun mit den wenigen Weinen? Wenn die Branche den Inlandsmarkt bevorzugt und die Exporte zurückfährt, kann dies schnell teuer kommen. Auslandsmärkte müssten in guten Jahren wiederaufgebaut werden. Außerdem hat sich das Verhältnis Preis je exportierte Flasche in den letzten Jahren sehr günstig entwickelt; sprich, es werden immer teurere Weine im Ausland abgesetzt. Erst in den letzten Jahren tragen Marketingkampagnen auf Drittmärkten, zum Beispiel in den USA, so richtig Früchte.

Klinger plädiert in dem Bericht dafür, dass man von der Möglichkeit Gebrauch macht, die Anbauflächen auszuweiten. Die EU erlaubt nämlich, dass jedes Jahr die Anbaufläche eines EU-Staates mit Weinbau um ein Prozent erweitert werden kann. Österreich hat derzeit gut 45.000 Hektar.

Schweinezyklus droht

Weinbaupräsident Schmuckenschlager spricht sich dagegen aus, da "wir aufpassen müssen, dass wir nicht in eine Art Schweinezyklus fallen", sagte er zum STANDARD. Und es gebe beim Wein viele Preissegmente, sodass es schwierig sei, überall das beste Verhältnis zwischen Angebot und Preis zu erreichen. Außerdem, meint er, hätten die Weinbauern schon bisher von der Möglichkeit der Rebflächenausweitung kaum Gebrauch gemacht.

Die Diskussion darüber dürfte erst beginnen. Klinger meint, dass "Österreich in Zukunft mehr Wein zu guten Preisen absetzen" könnte, als auf den gegenwärtigen Flächen produziert wird. (Johanna Ruzicka, 11.2.2017)

  • Die Wetterkapriolen des letzten Jahres haben den Weinproduzenten zugesetzt. Die Qualität ist gut,  die Preise auch – aber wegen der niedrigen Ernte macht man sich um Marktanteile Sorgen.
    foto: dpa/hildenbrand

    Die Wetterkapriolen des letzten Jahres haben den Weinproduzenten zugesetzt. Die Qualität ist gut, die Preise auch – aber wegen der niedrigen Ernte macht man sich um Marktanteile Sorgen.

Share if you care.