Satire vom Feinsten: Die FPÖ als Hort der Sparmeister und Österreichpatrioten

Kolumne10. Februar 2017, 13:00
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Gerade in den letzten Tagen hat die Politcrew um Hofer und Strache wieder bewiesen, dass ihnen satirisch niemand das Wasser reichen kann

Österreich ist seit je ein Schlaraffenland für Satiriker. Wollte man eine dieser Best-of-Listen zusammenstellen, wie sie massenhaft im Internet grassieren ("Zehn Top-Krebserkrankungen, die sie garantiert nicht bekommen wollen"): Wem aus dem Satirefach gebührte derzeit der erste Platz? Stermann und Grissemann? Der Tagespresse? Josef Hader? Dr. Tassilo Walentin?

Keinem von allen, sondern einzig und allein der Freiheitlichen Partei Österreichs. Gerade in den letzten Tagen hat die Politcrew um Norbert Hofer und Hazeee Strache wieder bewiesen, dass ihnen satirisch niemand das Wasser reichen kann. Erster Geniestreich der Blauen: Parteivize Norbert "Zuckerguss" Hofer fordert die Regierung zu mehr Budgetdisziplin auf. Das ist ebenso komisch wie der Elternmörder, der vor Gericht mildernde Umstände als Waise geltend macht, oder ein Hurentreiber, der den Ordinarius auf einem Lehrstuhl für Moralphilosophie anstrebt.

Wir gönnen uns ja sonst nichts

Jeder Österreicher, der das vergangene Vierteljahrhundert nicht gerade unter einem Stein in Pjöngjang verbracht hat, weiß, dass das Defraudantentum niemals schönere Blüten trieb als unter der Regentschaft Haider in Kärnten bzw. unter Schwarz-Blau in Wien. Für deren Milliardenspäße werden wir noch gut und gern bis zur Jahrhundertmitte pecken. Wir Staatsbürger gönnen uns ja sonst nichts!

Das wissen natürlich auch die Freiheitlichen. Wenn nun just sie zur Budgetdisziplin aufrufen, haben wir es mit einem Akt satirischer Impertinenz zu tun, für den ein Preis überfällig wäre. Das goldene Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik sollte das Mindeste sein!

Professionelles Aufhussen

Ebenso köstlich, wenn sich Herbert Kickl, unbestrittener Experte auf dem Gebiet des professionellen Aufhussens, über das "Austria Second"-Video aufpudelt und meint, dieses schramme "knapp an der Verhetzung vorbei". Angesichts einer langen Tradition freiheitlicher Vaterlandsliebe ("ideologische Missgeburt") wäre ein Peitscherlbua, der feministische Gastkommentare für die Emma schreibt, nichts dagegen. Gibt es eigentlich schon den passenden Satirepreis dafür? Den putativpatriotischen Phrasendreschflegel am schwarzrotgoldenen Band? Wenn nicht: dann bitte schnell erfinden. Die FPÖ hat ihn sich redlich verdient. (Christoph Winder, Album, 10.2.2017)

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