Sonntagsöffnung in Wien: Verhandlungen liegen derzeit auf Eis

10. Februar 2017, 10:47
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Gewerkschaft und Wirtschaftskammer wollen neues Entgeltschema im Handels-Kollektivvertrag abwarten

Wien – Wiener Geschäftsbetreiber und Shopinhaber werden wohl noch eine Weile warten müssen, bis sie in Wien auch am Sonntag aufsperren können – falls sie es überhaupt je dürfen. Denn die diesbezüglichen Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer sind derzeit ausgesetzt. Man wolle zuerst einmal das Ergebnis der angestrebten Reform des heimischen Handels-KV abwarten.

"Wir haben vereinbart, dass wir die Entgeltreform bzw. den Kollektivvertrag Handel Neu abwarten", sagte Barbara Teiber, Wiener Regionalgeschäftsführerin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), auf APA-Anfrage. Bekanntlich wollen die Sozialpartner – nach zwischenzeitlichem Abbruch der Gespräche im vergangenen Sommer – heuer ein neues Gehaltsschema paktieren. "Bevor wir das nicht über die Bühne haben, gibt es zur Sonntagsöffnung in Wien vorweg keine weiteren Gespräche", so Teiber.

Konflikt ist nicht Schuld

Bei der KV-Reform spielten Sonntagsöffnung bzw. Tourismuszonen zwar keine große Rolle, "aber wir wollen schon auch ein Stück weit festhalten, wie wir künftig damit umgehen", sagte die Wiener GPA-Geschäftsführerin. Sie versicherte zusätzlich, dass die Verhandlungspause keinerlei Konflikt geschuldet sei. Sobald die KV-Reform stehe, werde man sich mit der Wiener Kammer wieder zusammensetzen. Wobei Teiber nicht vergaß zu betonen, dass es die Gewerkschaft mit einer Liberalisierung der Wiener Regelung nicht eilig hat: "Wir sehen hier ja nicht unbedingt eine Handlungsnotwendigkeit."

In der Wiener Wirtschaftskammer bestätigte man der APA ebenfalls, dass erst einmal das neue Gehaltsschema abgewartet werde. Wobei ein Sprecher sehr wohl betonte: "Unsere Vorschläge liegen am Tisch. Der Ball liegt bei der Gewerkschaft. Und es funktioniert in acht Bundesländern. Warum es im neunten nicht funktionieren soll, muss die Gewerkschaft erst einmal erklären."

Man habe allerdings mit der Arbeitnehmervertretung generell eine gute Basis, betonte auch der Kammersprecher. Streit gebe es diesbezüglich keinen: "Wir gehen von einer Lösung aus."

Debatte läuft seit Jahren

Die Debatte um die Sonntagsöffnung in Wien läuft bereits seit Jahren. Vor allem die Wirtschaftskammer drängt darauf, in definierten Tourismuszonen – etwa in der Innenstadt, der Inneren Mariahilfer Straße und beim Schloss Schönbrunn – Geschäften die Möglichkeit zu geben, auch an Sonntagen aufzusperren. Die Gewerkschaft war nicht zuletzt mit Verweis auf zusätzliche Belastungen für das Personal stets skeptisch bis ablehnend der Idee gegenüber.

Tourismuszonen, in denen Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen, müssen in Wien vom Bürgermeister verordnet werden. Michael Häupl (SPÖ) hatte grundsätzlich Bereitschaft dafür signalisiert, allerdings eine Einigung zwischen Wirtschaftskammer und Gewerkschaft zur Grundbedingung gemacht. Ausnahmeregelungen gibt es bereits seit längerem – etwa für Shops an Bahnhöfen. (APA, 10.2.2017)

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