Forschung für kranke Kinderherzen

10. Februar 2017, 10:11
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Durch Forschung sind die Überlebensraten in der Herzmedizin in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Deutsche Herzstiftung stellt vielversprechende Projekte vor

Etwa eines von hundert Kindern kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Statistisch gesehen sind Fehlbildungen des Herzens damit die häufigste Organfehlbildung. Dank des medizinischen Fortschritts erreichen heute rund 90 Prozent dieser Kinder das Erwachsenenalter und leben mit einem angeborenen Herzfehler.

In keinem anderen Bereich der Herzmedizin sind die Überlebensraten in den vergangenen Jahren derart gestiegen, berichtet nun die Deutsche Herzstiftung. Die Basis einer herzmedizinischen Versorgung sei die Forschung. Die Stiftung stellt daher vielversprechende Forschungsprojekte aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen vor.

Vorab simulieren

Eines dieser Projekte beschäftigt sich etwa mit der Computersimulation: Kinder mit angeborenem Herzfehler müssen oft belastende Untersuchungen und Eingriffe über sich ergehen lassen. Bremer Wissenschaftler haben eine Software entwickelt, mit der sich bestimmte Interventionen vorab mit dem Computer simulieren lassen. Das könnte in Zukunft bestimmte Eingriffe überflüssig machen.

Auch nach der perfekten Herzklappe für Kinder wird geforscht: Die beste Herzklappe für das Kinderherz hat die jeweils passende Größe, bleibt ein Leben lang funktionstüchtig, ruft das Immunsystem nicht auf den Plan, macht keine medikamentöse Blutverdünnung erforderlich – und wächst mit. Weltweit versuchen Forscher, diesen idealen Herzklappenersatz zu entwickeln. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart etwa spinnen im Labor Herzklappenmaterial aus Kunststoff und reichern das Gewebe mit biologischen Informationen an.

Besser atmen

Ob sich die Belastbarkeit und Lebensqualität von Patienten, die mit einem "univentrikulären Herzen" (Einkammerherzen) leben, mit einem regelmäßigen Atemtraining verbessern lässt, prüfen derzeit Ärzte und Wissenschaftler des Deutschen Herzzentrums München. Das Atemtraining, weiß man, kann den Kreislauf verbessern. "Wenn ein Patient früh mit dem Atemtraining beginnt", hofft Alfred Hager, der Leiter der Studie, "lässt sich vielleicht verhindern, dass Probleme mit dem Kreislaufsystem der Fontan-Patienten auftreten."

Und auch was die Eingriffe angeht, tut sich etwas in der Forschung. Nicht aufwändig nähen, sondern Defekte am Herzen mit einem Klebstoff verschließen: Ermöglichen soll das ein neuer chirurgischer Klebstoff, mit dem biologisch abbaubare Streifen oder Flicken innerhalb von Sekunden selbst im schlagenden Herzen angebracht werden können.

Präzisere Diagnose

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist ein modernes bildgebendes Verfahren, das ohne Röntgenstrahlen auskommt und genau in Herz und Gefäße blicken lässt. Neue technische Entwicklungen des Forschungsteams um den Physiker Thoralf Niendorf vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch versprechen noch präzisere, nahezu mikroskopische Bilder.

So verschieden die präsentierten Ansätze und Vorhaben sind, sie haben alle einen gemeinsamen Nenner, so die Herzstiftung: Mit ihren Arbeiten wollen die Forscher die Diagnose und Behandlung von Menschen mit angeborenem Herzfehler verbessern und dazu beitragen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene optimal medizinisch versorgt werden können. (idw, red, 10.2.2017)

  • 90 Prozent der mit Herzfehler geborenen Kinder erreichen das Erwachsenenalter.
    foto: istock

    90 Prozent der mit Herzfehler geborenen Kinder erreichen das Erwachsenenalter.

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