Dopingstreit: Fourcade mit Russen im Konflikt

10. Februar 2017, 10:00
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Franzose verließ nach Mixed-Staffel-Rennen aus Protest vorzeitig die Zeremonie, als die Russen das Podium bestiegen

Hochfilzen – Höhnischer Applaus, verweigerte Handschläge: Der Dopingstreit um die russischen Biathleten ist nach dem WM-Auftakt in Hochfilzen vor großem Publikum eskaliert. Nach dem Mixed-Staffel-Rennen, bei dem Deutschland Gold gewann, reichten Russlands Skijäger dem französischen Dominator Fourcade bei der Siegerehrung zunächst nicht die Hand, anschließend verließ Fourcade nach zynischem Beifall aus Protest vorzeitig die Zeremonie, als die Russen das Podium bestiegen.

"Wir haben heute Situationen gesehen, in denen es viel Negativität der Franzosen gegen uns gegeben hat. Das gesamte Verhalten war nicht besonders nett", sagte Russlands Schlussläufer Anton Schipulin, der den dritten Platz sicherte. Doppel-Olympiasieger Fourcade schaffte es im Zielsprint noch auf Rang zwei und bejubelte das betont ausgelassen. Bei der anschließenden Pressekonferenz lieferten sich beide ein offenes Wortgefecht und verteidigten ihre Positionen.

Kurzer Augenkontakt

Fourcade gilt als Vorkämpfer im Anti-Doping-Kampf und forderte in den vergangenen Wochen immer wieder harte Konsequenzen, nachdem das Staatsdoping in Russland durch den McLaren-Report öffentlich geworden war. Vor allem der WM-Start von Alexander Loginow, einem überführten EPO-Sünder, war dem 28-jährigen Fourcade ein Dorn im Auge. Loginow war am Donnerstag Teil der Mixed-Staffel, beide blickten sich bei der Siegerehrung nur kurz in die Augen.

"Ich habe Fourcade gegrüßt und wollte ihm meinen Respekt zeigen, aber er wollte mir nicht die Hand schütteln", sagte Loginow der russischen Agentur TASS. Doch Fourcade sieht das komplett anders, es habe gar keinen Versuch gegeben, die Hand zu reichen: "Ich habe nichts falsch gemacht. Ich bin etwas traurig."

Schipulin verteidigte unterdessen das Verhalten der Russen, die bei sich selbst keine Fehler sehen. "Wir sind in der Mannschaft eine Familie und stehen füreinander ein", sagte der Staffel-Olympiasieger, der Fourcade in den vergangenen Wochen unfaires Verhalten vorwarf.

Aufregung nach Fourcade-Posting

Ursprung des Streits ist ein Post Fourcades im sozialen Netzwerk Instagram. Unter ein Foto des russischen Verbandes RBU, mit dem Loginows WM-Nominierung verkündet wurde, hatte er kommentiert, dass man nicht vergessen sollte, dass der ehemalige Juniorenweltmeister zwei Jahre wegen EPO-Missbrauchs gesperrt war. Daraufhin forderte die RBU beim Weltverband IBU sogar Disziplinarmaßnahmen gegen Fourcade. Den Kommentar löschte er jedoch schnell wieder, Konsequenzen gab es nicht.

Der frisch gebackene deutsche Weltmeister Arnd Peiffer begrüßte das. "Das ist legitim, das als Kommentar abzulassen", sagte der 29-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld. Peiffer fand zudem drastische Worte für die aktuellen Spannungen bei den Skijägern: "Auch wenn immer von der Biathlon-Familie die Rede ist, eine Familie sind wir nun sicher nicht. Man kann sich da durchaus mal gegenseitig kritisieren. Aber nicht alle sind für Kritik offen – und dann passiert so was." (sid, 10.2.2017)

  • Martin Fourcade (re.) ließ die Russen Alexander Loginov (li.) und Anton Shipulin nicht links, sondern rechts liegen und verließ die Siegerehrung aus Protest frühzeitig.
    foto: apa/afp/franck fife

    Martin Fourcade (re.) ließ die Russen Alexander Loginov (li.) und Anton Shipulin nicht links, sondern rechts liegen und verließ die Siegerehrung aus Protest frühzeitig.

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