Am Ende zählt in Mattersburg nur das Zählbare

9. Februar 2017, 18:34
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Mit einem Rückstand von vier Punkten auf den Vorletzten St. Pölten geht Mattersburg in den Überlebenskampf. Der Trainer ist neu, drei neue Spieler verstärken den Kader. Am Samstag gegen Sturm kommt es zur ersten Bewährungsprobe

Mattersburg – Am Samstag (18.30 Uhr) wird es im Pappelstadion eine Premiere geben: Die Rasenheizung läuft schon. Es ist also vorgewärmt, wenn Sturm gastiert zum Auftakt jener Aufholjagd, an deren Ende die vom SVM nicht die zur Strecke gelegten Hasen gewesen sein wollen.

Klubchef Martin Pucher – nach krankheitsbedingtem Leisertreten wieder zu alter Entschlossenheit gesundet – hat im Winter umgerührt wie schon sehr, sehr lange nicht. Gleich vier Neue wurden geholt, drei Spieler und Gerald Baumgartner. Der 52-jährige Salzburger soll anstatt Ivica Vastics den Klassenerhalt coachen.

Dass das keine besonders einfache Übung sein wird, war Baumgartner schon vor Dienstantritt klar. Klar auch, dass es nicht genügt, die zutiefst demoralisierte, am Selbstzweifel kiefelnde Mannschaft zur Zuversicht zu psychotherapieren. Es kam ihm also sehr gelegen, dass der 34-jährige Stefan Maierhofer eh grad was suchte und gern bereit war, in Mattersburg den Major zu machen.

Mentalitätsmontser gefragt

Sportchef Franz Lederer nennt den Major "Mentalitätsmonster". Und diese schöne poetische Alliteration beschreibt ganz gut, was die Mannschaft so bitter benötigt nach diesem Herbst, da das anfängliche Spielpech sich bald ergänzte um den darauf folgenden Zweifel, dieser sich paarte mit der Ratlosigkeit, sodass am Ende auch noch der Krampf – hoher Ball nach ganz vorn – sich zum Desaster verdichtet hat.

Gerald Baumgartner weiß, sagt er jedenfalls, dass er mit der Mannschaft nun den mühsamen Weg zurück antreten wird müssen. Schritt für Schritt. Das heißt, "dass wir am Anfang was Zählbares brauchen, das Spielerische kann jetzt nicht im Vordergrund stehen". Was aber nicht ist, soll werden. Die neu Geholten seien das diesbezügliche Versprechen.

Neben dem "Mentalitätsmonster" kam ja auch und vor allem der 20-jährige David Atanga, dessen wunderbar juvenilen Zanglereigenschaften hier für Leihgeber Red Bull zugeschliffen werden sollen zur internationalen Schwertreife.

Ein Dimitri Oberlin – der den Altachern so viel Freude gemacht hat – ist er noch nicht. Dass es in diese Richtung geht, sieht Baumgartner aber als Teil seiner Aufgabe. Und eins kann der kleine Dribblanski, der im Paarlauf mit Thorsten Röcher das Flügelspiel der zuletzt fast ermüdend zentrumsgewichteten Mattersburger forcieren soll, jetzt schon sein: Publikumsliebling an der Seite des Langen.

Baustellen

Der dritte neue Spieler ist César Ortiz, den die Burgenländer ausgerechnet von Liga-Leader Altach geholt haben. Er ergänzt das iberische Duo des Sechsers Jano und Flügeljoker Fran zum Trio, muss aber in der Hauptsache die Innenverteidigung stabilisieren.

Denn was Gerald Baumgartner vorgefunden hat, waren zwei zentrale Baustellen: "Wir haben zu viele Chancen vergeben und zu viele Tore bekommen. Die Parameter sind also verheerend." Dass mit so einem vorne und hinten auch das Mittelfeld schwächelte – ein auf physische Schonung bedachter Jano, ein zu selten ins Gefecht geschickter Michael Perlak -, ergänzt den Befund beinahe zur Diagnose.

Gleichwohl ist Baumgartner, sagt er, voller Zuversicht, was den Klassenerhalt betrifft. Mit Kurt Russ, der auch Ivica Vastic den Co-Trainer gemacht hat, steht ein Kenntnisreicher an seiner Seite, einen Sportwissenschafter und Physio durfte er mitbringen. Denn Baumgartner braucht nicht nur Mentalitäts-, sondern auch Konditionsmonster. "Wir wollen konsequenter gegen den Ball arbeiten, hoch verteidigen, insgesamt schneller sein." Dass dies in einem 4-2-3-1 geschehen wird, sei nur der äußere Rahmen.

Man wird sehen. Am Samstag und am Samstag darauf gegen den WAC. Dass man schauen will, was zu sehen wäre, merkt jeder in Mattersburg und um Mattersburg herum. Selbst der eine Ultra, der stets den Soundtrack klopfte und schrie zum SVM, hat sein Wiedererscheinen angekündigt. (Wolfgang Weisgram, 9.2.2017)

  • Gerald Baumgartner hat im Burgenland übernommen.
    foto: apa/hans punz

    Gerald Baumgartner hat im Burgenland übernommen.

  • Franz Lederer ist schon länger im Burgenland.
    foto: apa/hans klaus techt

    Franz Lederer ist schon länger im Burgenland.

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