Wenn der Gast den Wirt sitzen lässt

9. Februar 2017, 18:27
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Nach der Aufregung um die Rechnung für einen abgesagten Restaurantbesuch rät die Wirtschaftskammer der Branche zu Stornoregelungen

Wien – Mittlerweile haben sich die Gemüter wieder beruhigt, davor hat die Sache heftige Wellen geschlagen. Ein Wiener Gastronom verrechnete einer abgesprungenen Kundin 209 Euro. Die hatte den Abendbesuch im brasilianischen Lokal Churrascaria an der Wienzeile am Nachmittag wegen mehrerer Krankheitsfälle abgesagt. Per E-Mail bekam sie dann die Rechnung zugestellt, wie die Tageszeitung "Heute" berichtete.

Wolfgang Böck, Geschäftsführer des Lokals, hat sie nun auf Anraten der Wirtschaftskammer Wien wieder zurückgezogen. "Das Problem ist, wenn jemand nicht kommt und nicht absagt", sagt er dem STANDARD. Und damit meine er: in einer verträglichen Weise. Wohl habe die Dame kundgetan, dass sie nicht komme, allerdings via E-Mail am nämlichen Tag, zu einer Zeit, als das Lokal noch geschlossen hatte. "Am Samstag lese ich aber keine E-Mails, da stehe ich in der Küche und bereite Speisen für den Abend vor", sagt Böck. Erreichbar sei er trotzdem, via Telefon, wenn auch vielleicht nicht gleich beim ersten Mal und nicht via SMS auf eine Festnetznummer, wie es die Dame laut "Heute" versucht habe.

Problem bei Fixpreisen

Grundsätzlich, so Böck, kämen Stornierungen immer wieder vor, und "in der Regel verläuft das klaglos". In seinem Fall sei auch in den Geschäftsbedingungen, die jeder Kunde mit der Buchungsbestätigung erhalte, verankert, dass bei Rücktritt Stornogebühren anfallen. Selbige ergeben sich aus den Fixpreisen des All-You-Can-Eat-Restaurants. Eingeführt hat Böck dies 2008, als einige Gruppen zu gebuchten Weihnachtsfeiern nicht erschienen waren. "Das warme und kalte Buffet war genau auf die Personenzahl zugeschnitten. Das musste ich dann wegschmeißen."

Dass das Problem kein Einzelfall ist, bestätigt Peter Dobcak, Obmann der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer. Es komme durchaus vor, dass Gäste in vier Lokalen einen Tisch reservieren und sich kurzfristig für einen davon entscheiden, ganz besonders in der Weihnachtszeit und ohne Absage an die anderen. "Allgemeine Geschäftsbedingungen mit Stornoregelungen halte ich für sinnvoll", sagt Dobcak.

Vorlage in Arbeit

Nachdem es in der Gastronomie keine generellen allgemeinen Geschäftsbedingungen gebe, könnten Gastronomen mit dem eigenen Anwalt solche erarbeiten oder abwarten. Die Kammer tüftelt derzeit an einer Vorlage für Reisebüros, so Dobcak. Diese regle Business-to-Business-Fälle, "aber wir denken daran, ihn auf Privatpersonen zu erweitern". In einigen Wochen soll er fertig sein.

Bis dahin plädiert er für Bewusstseinsbildung bei Kunden und Großzügigkeit aufseiten der Gastronomie: "Besagte Dame geht bald im Churrascaria essen." (Regina Bruckner, 9.2.2017)

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