Chef der Grenzpolizei: "Flüchtlinge wollen nicht in Kroatien bleiben"

10. Februar 2017, 11:00
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Asylwerber versuchen nach Slowenien zu gelangen – die Umsiedlung ist unbeliebt

Kaum einer will kommen. Kroatien hat sich bereiterklärt, 1600 Flüchtlinge im Zuge von Umsiedlungsprogrammen in der EU aufzunehmen. Doch die Kommission, die auf die griechischen Inseln entsandt wurde, kam enttäuscht zurück. Gerade mal 60 bis 70 Personen konnten überzeugt werden, in das mitteleuropäische Land zu gehen.

Der Chef der Grenzpolizei, Zoran Niceno, erzählt, dass auch jene, die von selbst kamen, "nicht in Kroatien bleiben wollen". 2016 beantragten 2235 Personen in Kroatien Asyl. Es gab aber 4496 illegale Grenzübertritte. "Die meisten Menschen, die wir festnehmen, wollen nicht in Kroatien um Asyl ansuchen." Weil sie hier keine Freunde und Verwandte hätten und weil es in Kroatien weniger Geld für Asylwerber gebe.

Manche Migranten würden gleich mehrmals probieren, weiter nach Slowenien zu gelangen. "Leute, die im Asylquartier in Zagreb sind, versuchen jede Woche aus Kroatien auszureisen", erzählt Niceno. "In den letzten vier Tagen haben wir etwa zehn bis 20 an der slowenischen Grenze angehalten, oder die Slowenen schickten sie zurück." Im Vorjahr wurden 650 Asylwerber festgenommen, die versuchten, aus Kroatien auszureisen. Die meisten probieren es im Raum Rijeka und in Istrien, ein anderer Teil versucht es im Norden.

Die Flüchtlingsunterkunft im Hotel Porin in Zagreb wurde in den letzten Monaten immer wieder wegen Überbelegung, zu wenig Geld und zu wenig Personal kritisiert. Asylwerber beschwerten sich über das Essen. 380 Personen, die aus Österreich aufgrund der Dublin-Regel nach Kroatien zurückgeschickt wurden, leben dort. Die meisten wollen aber wieder nach Österreich. 2016 gab es 3900 Dublin-Fälle, für die Kroatien zuständig gemacht werden sollte.

"Mehr Ehrlichkeit"

Probleme gebe es in der Zusammenarbeit derzeit nur mit der serbischen Polizei – weil nicht alle Flüchtlinge, die an der Grenze aufgegriffen werden, von Serbien wieder "zurückgenommen" werden. Niceno fordert mehr Ehrlichkeit von der Politik. "Niemand will den Leuten, die jetzt in Serbien sind, sagen, dass die Route nie wiedereröffnet werden wird." Viele Flüchtlinge hätten aber diese Hoffnung.

Die meisten illegalen Grenzübertritte von Serbien nach Kroatien gibt es bei Tovarnik. Die Polizei arbeitet mit Nachtsichtgeräten. Obwohl die meisten Flüchtlinge über Bulgarien kommen, das laut der Dublin-Regelung auch zuständig wäre, würden sie aber nicht dorthin zurückgeschickt, "weil sie keine Dokumente haben und wir sie nicht identifizieren können" , erklärt Niceno.

Durch die Flüchtlingskrise habe sich die Kooperation mit den Nachbarn aber verbessert. Kroatien hatte überhaupt nicht mit dem Massenzustrom im September 2015 gerechnet. "Niemand kann 11.000 Menschen pro Tag kontrollieren, und deshalb mussten wir uns mit den Nachbarn koordinieren" , erinnert er sich.

Niceno räumt auch ein, dass vor allem anfangs, im September 2015, nicht alle Flüchtlinge, die über Kroatien reisten, registriert wurden. Vor allem die Technologie für die Abnahme von Fingerabdrücken wäre zu Beginn nicht geländetauglich gewesen. (Adelheid Wölfl aus Zagreb, 10.2.2017)

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