Kinder: Nie ohne Helm auf die Piste

    10. Februar 2017, 09:01
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    Beim Schifahren und Snowboarden verunfallen unter anderem Kinder von zehn bis 14 Jahren häufig. Der Verein "Große schützen Kleine" gibt Sicherheitstipps

    Die Österreicher sind leidenschaftliche Wintersportler. Dabei passieren immer wieder auch Unfälle. Nach einem massiven Rückgang der Pistenunfallzahlen um rund 75 Prozent in den letzten 50 Jahren unterlagen diese auch in den letzten Jahren nur geringen Schwankungen. "Besonders häufig verunfallen ältere Kinder von zehn bis 14 Jahren und Erwachsene um die 40", weiß Holger Till, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie in Graz und Präsident des Vereins "Große schützen Kleine".

    Der Verein und die Klinik haben gemeinsam mit der Fachgruppe der Seilbahnen der Wirtschaftskammer Steiermark fast 3000 Pistenunfälle aus den Saisonen 2007/08 und 2014/15 unter die Lupe genommen. Der Auswertung zufolge erleiden 51 Prozent der nach einem Schi- oder Snowboardunfall im Krankenhaus behandelten unter 15-Jährigen und 41 Prozent der über 15-jährigen Patienten Knochenbrüche. Der Prozentsatz der Unfallopfer, die sich Kopfverletzungen zuzogen, sank von 16 Prozent in der Saison 2007/08 auf zwölf Prozent in der Saison 2014/15.

    "Unterschiede in den Verletzungsmustern zeigen sich sowohl bei Schifahrern und Snowboardern als auch bei Kindern und Erwachsenen und Frauen und Männern: So erleiden Schifahrer am häufigsten Knie- und Unterschenkelverletzungen, Snowboarder sind hingegen deutlich öfter von Unterarm- und Schulterverletzungen betroffen. Für Snowboarder sind spezielle Handschuhe und ein Rückenprotektor daher besonders wichtig", betont der Leiter der Studie, Christoph Castellani von der Universitätsklinik Graz.

    Zahl der Helmträger steigt

    Im Hinblick auf die unterschiedlichen Altersgruppen zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren seltener stationär behandelt werden müssen, dafür aber häufiger Frakturen erleiden. Beide Geschlechter verunfallen zwar etwa gleich oft, Frauen und Mädchen sind aber häufiger von Knieverletzungen betroffen, Männer und Buben hingegen von Kopfverletzungen und Knochenbrüchen.

    "Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Kopfverletzungen ist sicher, dass die Anzahl der Helmträger in diesem Zeitraum massiv gestiegen ist: Trugen 2007/08 nur 21 Prozent der Schifahrer und Snowboarder einen Helm, sind es heute bereits fast 90 Prozent. Kopfverletzungen sind die häufigste Ursache für tödliche Verletzungen und Verletzungen mit bleibenden Schäden nach Unfällen auf der Piste", weiß Castellani. Das Risiko, eine Kopfverletzung zu erleiden, sinkt durch das Tragen eines Helms laut Studien um rund 35 Prozent. Seit 2010 ist Helmtragen in Österreich, mit Ausnahme der Bundesländer Tirol und Vorarlberg, für unter 15-Jährige Pflicht.

    Auch der Rückenprotektor erfreut sich zunehmender Beliebtheit, was sich in einem signifikanten Rückgang der Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen widerspiegelt. Till: "Insgesamt tragen Kinder und Jugendliche deutlich häufiger eine Schutzausrüstung als Erwachsene. Nicht zuletzt im Sinne der starken Vorbildwirkung für unsere Kinder wäre es wünschenswert, wenn sich der Anteil auch bei den Erwachsenen noch steigern ließe."

    Kollisionen abgenommen

    Die vorliegende Auswertung zeigt außerdem, dass das Unfallrisiko um die Mittagszeit deutlich höher ist. "Zurückzuführen ist das wohl einerseits auf die hohe Anzahl an Schifahrern und Snowboardern, die um diese Zeit auf den Pisten unterwegs sind, andererseits wird eine verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nach dem Mittagessen vermutet", so Castellani. Das Fazit der Experten: Ideal wäre es, ein leichtes, gesundes Mittagessen dem Germknödel oder dem Wiener Schnitzel vorzuziehen.

    Unfallort ist in rund 80 Prozent der Fälle die Pistenmitte: Hier gilt – auch wenn der Anteil der Kollisionen an den Unfallursachen in den letzten Jahren leicht gesunken ist: "Niemals mitten auf der Piste und an schwer einsehbaren Stellen stehenbleiben, sondern immer für nachkommende Pistenteilnehmer gut sichtbar am Pistenrand", so die Empfehlung. Neben der Pistenmitte zählen der Liftein- und -ausstieg und Fun Parks zu den neuralgischen Unfallstellen.

    Um Unfällen vorzubeugen, hat der Verein "Große schützen Kleine" Sicherheitstipps für den ungetrübten Pistenspaß zusammengestellt:

    • Schutzausrüstung tragen
    • Bei Schi- bzw. Snowboardauswahl professionell beraten lassen und Ausrüstung vor Saisonbeginn überprüfen und warten lassen
    • Ermüdung und Überforderung zählen zu den häufigsten Unfallursachen: Ein Schitag kann ruhig auch mal früher beendet werden
    • Zu Beginn und nach langen Liftfahrten Aufwärmübungen machen
    • FIS-Regeln beachten
    • Im Falle einer Unfallbergung kommt verstärkt der Hubschrauber zum Einsatz: Wintersportler sollten sich daher vergewissern, ob sie eine Versicherung haben, die die hohen Kosten übernimmt (red, 10.2.2017)
    • Fast 90 Prozent der Schifahrer und Snowboarder tragen heute bereits einen Helm.
      foto: standard/eva maria griese

      Fast 90 Prozent der Schifahrer und Snowboarder tragen heute bereits einen Helm.

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