Landwirtschaft kam nicht durch Einwanderung aus dem Nahen Osten ins Baltikum

9. Februar 2017, 13:47
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DNA-Analysen von mehr als 8.000 Jahre alten Knochen aus Lettland und der Ukraine brachten überraschendes Ergebnis

Wien – Vor etwa 8.000 Jahren erschlossen Bauern aus dem Nahen Osten das zuvor von Jägern und Sammlern dominierte Europa. Ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung machte nun eine unerwartete Entdeckung: Die Menschen im Baltikum übernahmen zwar die sesshafte Lebensweise, wurden aber nicht verdrängt und vermischten sich auch nicht mit den einwandernden Bauernvölkern, wie die Wissenschafter im Fachmagazin "Current Biology" berichten.

Unter der Leitung von Eppie Jones von der Universität Cambridge analysierten die Forscher DNA von 8.300 bis 4.800 Jahre alten menschlichen Überresten aus dem heutigen Lettland und der Ukraine. Das ist jene Zeit, in der die Landwirtschaft in Europa aufkam und neue Techniken wie die Töpferei Einzug hielten. Sie fanden dabei keine genetischen Spuren der Bauernvölker aus Südosteuropa und Anatolien, wie es bei Funden in West-, Mittel- und Südeuropa der Fall ist.

Migration aus der Eurasischen Steppe

"Der Übergang zur sesshaften Lebensweise und Landwirtschaft geschah im Baltikum also nicht wie überall sonst in Europa durch eine Einwanderung von Bauern aus dem Nahen Osten, sondern die lokalen Jäger-Fischer- und Sammler-Gruppen haben diese Innovationen durch Kontakte mit Bauern selbst übernommen", sagte der österreichische Archäologe Philip Nigst, der an der Universität Cambridge forscht.

Genetische Spuren von Einwanderung fanden sich im Erbgut der baltischen Neo-Bauern freilich dennoch. Sie dürften von Menschen aus der Steppenregion zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer stammen. (APA, 9.2.2017)

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