Mit einem Lehrabschluss an die Hochschule

13. Februar 2017, 09:00
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Private Hochschulen als privat finanziertes Gegenüber zu den Fachhochschulen wären aus Sicht der Wirtschaftskammer für mehr Durchlässigkeit wünschenswert. Die Fachhochschulkonferenz muss von diesem Vorschlag noch überzeugt werden

Lebensbegleitendes Lernen auf Hochschulniveau soll für Lehrlinge attraktiver gestaltet werden. So sieht es auch das Regierungsübereinkommen vor. Mit einem Fördertopf – die genaue Ausgestaltung liegt noch nicht vor – soll die Durchlässigkeit in den tertiären Sektor weiter verbessert werden.

Michael Landertshammer, Abteilungsleiter der Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, begrüßt die geplanten Vorhaben der Regierung, um beruflich Qualifizierten den Zugang zum Hochschulsektor zu erleichtern. "Mit der Berufsakademie bietet die WKO bereits seit 2014 Weiterbildungsmasterlehrgänge an, die sich speziell an Lehrabsolventen richten", sagt er. Ihnen noch weitere Möglichkeiten zu eröffnen, sich auf Hochschulniveau weiterzubilden, ist aus Sicht der Wirtschaftskammer wünschenswert.

Daher begrüßt diese auch den Vorschlag des Wissenschaftsrates zur Gründung von privaten Hochschulen als Pedant zu den Fachhochschulen. Der Anlass dazu war zwar ein anderer: Die im Privatuniversitätengesetz definierten Mindestanforderungen an die Institution sind laut Wissenschaftsrat für den Typus Universität zu niedrig angesetzt, daher wurde die Möglichkeit zur Gründung von privaten Hochschulen ins Spiel gebracht.

Mehr Durchlässigkeit

Für Landertshammer würden diese Hochschulen aber auch eine weitere Möglichkeit zu mehr Durchlässigkeit bieten. "Das wäre auch eine Aufwertung der Lehre", ergänzt er. Natürlich müssten diese privaten Hochschulen von der AQ Austria, der österreichischen Qualitätssicherungsagentur, akkreditiert werden.

Diese Akkreditierung sollte aber anderen Ansprüchen folgen und sich hauptsächlich auf die Lehre konzentrieren. Dadurch könnte schnell auf die Bedürfnisse der Wirtschaft hinsichtlich Aus- und Weiterbildung reagiert werden, Hauptzielgruppe sollen Lehrabsolventen sein. Neue Angebote könnten entstehen.

Für Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulkonferenz (FHK), ist dieser Ansatz nicht überzeugend. "Denn im Regierungsübereinkommen sind mit dem geplanten Fördertopf bereits Maßnahmen für mehr Durchlässigkeit geplant", sagt er. Der Ansatz für mehr Durchlässigkeit sei gut. "Auch wenn wir die genaue Ausgestaltung und Höhe nicht kennen, begrüßen wir diese Maßnahme. Ich erwarte mir einiges an Bewegung", ergänzt Holzinger.

Ob diese Unterstützung auch reichen werde, den Anteil Studierender ohne klassische Matura zu erhöhen, bleibt abzuwarten. Außerdem könne er den Anspruch hinsichtlich der Lehre an den vorgeschlagenen privaten Hochschulen nicht teilen. "Wissenschaftliches Arbeiten ist ein wesentliches Merkmal von Hochschulen. Dafür braucht es die forschungsgeleitete Lehre", ergänzt Holzinger.

Außerdem sei der Anteil an Studierenden, die ohne klassische Matura an der Fachhochschule sind, gar nicht so gering. Bei berufsbegleitenden Studienrichtungen liegt dieser bei 21 Prozent.

Für diese wünscht sich Landertshammer außerdem als Alternative zu den derzeitigen Weiterbildungsmasterstudien die Schaffung von Bachelorstudien, die auch ohne Studienberechtigungsprüfung belegt werden können und dem ordentlichen Bachelor nach der Bologna-Struktur entsprechen.

Auch hier kann Holzinger den Wunsch von Landertshammer nicht teilen. "Weiterbildungslehrgänge haben eine andere Funktion. Der Sinn ist nicht eine Parallelität zum grundständigen Studium", merkt er an.

Außerdem steige der Anteil von Studierenden ohne klassische Matura kontinuierlich. Und auch bei den Weiterbildungslehrgängen ist neben der beruflichen Erfahrung auch die Hochschulreife eine Zugangsvoraussetzung.

Anders bei der Berufsakademie der WKO, diese wendet sich in den Bereichen Marketing & Verkauf sowie Handel gezielt an Lehrabsolventen mit Berufserfahrung. "Ursprünglich wollten wir für die Berufsakademie Handel ein Bachelorstudium anbieten. Gesetzlich ist das aber nicht möglich. Jetzt ist es ein viersemestriges Weiterbildungsmasterstudium", sagt Landertshammer.

Interessant werde es, wenn die Zurechnungen zum nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) gemacht werden. Derzeit sei die Stufe 7 für die Weiterbildungsmaster vorgesehen, die gleiche wie für ein Bachelorstudium, so Landertshammer. (Gudrun Ostermann, 13.1.2017)

  • Michael Landertshammer, Abteilungsleiter Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich.
    foto: ho

    Michael Landertshammer, Abteilungsleiter Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich.

  • Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulkonferenz und Geschäftsführer der FH des bfi Wien.
    foto: ho

    Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulkonferenz und Geschäftsführer der FH des bfi Wien.

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