Reform soll viele Schulversuche obsolet machen

9. Februar 2017, 12:27
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Für pädagogische Entscheidungen soll künftig kein Schulversuch mehr nötig sein

Wien – An rund der Hälfte der etwa 5.800 Schulen in Österreich laufen laut einem Bericht des Rechnungshofs aus 2015 Schulversuche. Geht es nach dem Bildungsministerium, soll das mit dem Schulautonomiepaket anders werden: "Ziel ist es, dass ein Großteil der Schulversuche obsolet sein wird", heißt es gegenüber der APA.

Alles, was in den Bereich pädagogischer Modelle fällt, ist dann fix kein Schulversuch mehr. Als Beispiele nennt man im Bildungsressort Kleingruppenunterricht, Unterricht im Wald, Abschaffen der Schulglocke oder Ausweitung der Öffnungszeiten. Ob es das Mittel des Schulversuchs generell nicht mehr geben wird, werde derzeit noch verhandelt.

Heute, Donnerstag, findet eine Verhandlungsrunde mit den Ländern zur Schulautonomie statt. Es soll bereits eine der letzten vor dem Abschluss sein. Bis Ende Februar sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein, hat Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zuletzt als Zeithorizont vorgegeben.

Reduktion seit Herbst

Die Regierung hat übrigens bereits mit dem im Herbst beschlossenen Schulrechtspaket mit der Verringerung von Schulversuchen begonnen: Darin ist u.a. festgelegt, dass Volksschulen keinen Schulversuch mehr beantragen müssen, wenn sie in den ersten drei Klassen anstelle von Noten eine verbale "Leistungsinformation" ins Zeugnis schreiben wollen.

Ab kommendem Herbst sollen Volksschulen außerdem autonom entscheiden können, ob sie Mehrstufenklassen führen. In solchen Klassen werden Kinder aller Altersstufen gemeinsam unterrichtet. Ob es dafür zusätzliche Lehrer gibt, sei allerdings – wie schon bisher – Angelegenheit der Länder, betont man im Ministerium. Vertreter der reformpädagogischen Freinetgruppe in Wien befürchten nun, dass durch die Überführung des Schulversuchs Mehrstufenklasse in die Schulautonomie künftig das in der Bundeshauptstadt übliche Teamteaching in dieser Schulform vor dem Aus steht.

Die Bildungsreform habe mit dem Begriff Mehrstufenklasse nur die "Abteilungsunterrichtsklassen" "behübscht", warnt etwa der Mehrstufenklassen-Lehrer Christian Schreger auf dem Blog der Gruppe. Solche sind in ländlichen Regionen üblich, wenn es zu wenige Schüler für Jahrgangsklassen gibt. Statt eines innovativen pädagogischen Konzepts, bei dem jeder Schüler unabhängig vom Alter gemäß seinem Entwicklungsstand unterrichtet wird, "sollen diese Abteilungsklassen als kostengünstigere Variante das Sitzenbleiben in der Volksschule ersetzen". Auch Ex-Volksschuldirektor und Mehrstufenklassen-Vorreiter Werner Mayer warnte jüngst in der "Presse", dass es durch die Überführung des Schulversuchs in die Autonomie keine "Rechtssicherheit" mehr für zusätzliche Ressourcen gibt. (APA, 9.2.2017)

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