Trump schlägt gegenüber China freundliche Töne an

9. Februar 2017, 11:52
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Trump schreibt Xi und betont Kooperationswillen – Chinas Führung reagiert erfreut – Noch kein Telefonat mit Xi nach Trumps Amtseinführung

Washington/Peking – US-Präsident Donald Trump schlägt nach massiver Kritik im Wahlkampf versöhnliche Töne gegenüber China an und stößt dabei auf positive Resonanz in Peking. In einem Brief schrieb er nach Angaben des Präsidialamtes dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, er freue sich darauf, mit ihm "ein konstruktives Verhältnis" zum Wohle beider Länder entwickeln zu können. Auch habe er sich für die Glückwünsche Xis zu seiner Amtseinführung bedankt und ihm ein gutes neues Jahr gewünscht. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte am Donnerstag, China wisse die guten Wünsche sehr zu schätzen. Dass Trump, anders als mit vielen anderen Staats- und Regierungschefs, nach seinem Amtsantritt noch nicht mit Xi telefoniert hat, nannte der Sprecher "bedeutungslos".

"China ist bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten in Achtung der Prinzipien der Nicht-Konfrontation, des gegenseitigen Respekts und des beiderseitigen Nutzens", sagte der Sprecher des chinesischen Außenamtes.

Peking fordert "Ein-China-Politik"

Scharfe Angriffe auf China im Wahlkampf und ein Telefonat Trumps mit der Regierungschefin von Taiwan nach seinem Sieg hatten in Peking für Verstimmung gesorgt. Chinas Regierung hatte Trump seitdem mehrfach eindringlich aufgefordert, am bisherigen Kurs der "Ein-China-Politik" festzuhalten. Dieser Kurs sei das politische Fundament für die zukünftigen Beziehungen zwischen beiden Staaten, betonte zuletzt eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. China betrachtet Taiwan als abtrünnig und fürchtet, Trump werde davon abrücken, die Führung in Peking als einzig legitimen Interessenvertreter Chinas zu betrachten.

Auch in der Wirtschaftspolitik sah Trump China wiederholt bisher als Angriffsobjekt. Er warf dem Land schon einmal vor, seine Währung zu manipulieren, um über einen niedrigen Kurs Handelsvorteile zu erlangen. China gehört zu den ganz großen Lieferländern der USA und erzielt, ebenso wie Deutschland, im Warenaustausch mit dem Land riesige Milliarden-Überschüsse.

In diplomatischen Kreisen in Peking hieß es, die chinesische Führung sei im Hinblick auf ein etwaiges Telefonat zwischen Trump und Xi nervös. Sie befürchteten, dass es aus dem Ruder laufen könnte und der chinesische Präsident am Ende womöglich schlecht dastehen würde. Derartiges war dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull nach einem Telefonat mit Trump widerfahren, das mit einem Eklat endete. Das sei das Letzte, was China wünsche, sagte ein Insider. "Solche Vorhaben müssen für China in einem sehr kontrollierten Umfeld ablaufen, und das kann China mit dem sprunghaften Trump nicht garantieren", sagte ein Diplomat. Zudem scheine Trump von anderen Themen zu stark abgelenkt zu sein, um sich stärker mit China beschäftigen zu können. (APA, 9.2.2017)

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