Kleinkinder: Erstickungsgefahr durch Weintrauben

    13. Februar 2017, 09:57
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    Nach Würsteln und Zuckerln ersticken Kleinkinder am dritthäufigsten an ganzen Trauben. Ärzte raten, Kinder beim Essen stets zu beobachten

    Nahrungsmittel sind für die Hälfte aller Erstickungstode bei unter Fünfjährigen verantwortlich. Nach Würstchen und Bonbons liegen ganze Weintrauben auf dem dritten Platz der Lebensmittel, an denen Kinder am häufigsten ersticken, schreiben Mediziner in den "Archives of Disease in Childhood". Sie warnen Aufsichtspersonen davor, Kinder ganze Weintrauben essen zu lassen. Das öffentliche Bewusstsein für diese Gefahr fehle, so die Experten.

    Anlass für die Warnung waren drei konkrete Fälle, in denen Kinder an Weintrauben zu ersticken drohten beziehungsweise tatsächlich ums Leben kamen. Im ersten Fall erstickte ein fünfjähriges Kind in einem Hort, nachdem es ganze Trauben gegessen hatte. Trotz schneller und richtig durchgeführter Versuche, das Kind zu retten, erlitt es einen Herzstillstand und starb.

    Ähnlich der Fall eines 17 Monate alten Buben, der im Kreise seiner Familie zu Hause Sandwiches und Obst gegessen hatte. Versuche, die verschluckte Traube zu entfernen, scheiterten. Erst einem zu Hilfe gerufenen Sanitäter gelang es, der Bub starb dennoch.

    In einem dritten Fall begann ein zweijähriges Kind zu würgen, als es in einem Park Trauben gegessen hatte. Die alarmierten Sanitäter waren in weniger als einer Minute zur Stelle und konnten die Weintraube entfernen. Sie brachten das Kind ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin erlitt es zwei Anfälle. Im Spital angekommen, wurden sofort Schwellungen im Gehirn gelindert und wässrige Flüssigkeit aus den Lungen abgelassen. Das Kind verbrachte daraufhin fünf Tage auf der Intensivstation, wurde aber wieder ganz gesund.

    Bewusstsein fehlt

    Die Atemwege von unter Fünfjährigen sind eng, den Kindern fehlt zudem ein voller Satz Zähne, um Lebensmittel angemessen zu kauen. Ebenso ist ihr Schluckreflex noch unterentwickelt, schreiben die Ärzte. Auch dass sich Kinder leicht ablenken lassen, führe dazu, dass ihr Risiko zu ersticken erhöht ist.

    Viele Trauben sind größer als die Atemwege eines Kleinkindes. Im Gegensatz zu kleinen, härteren Lebensmitteln, die verschluckt werden können – etwa Nüssen –, dichten Weintrauben durch ihre glatte, weiche Oberfläche in der Luftröhre gut ab. Dadurch blockieren sie die Atemwege vollständig und sind außerdem schwerer zu entfernen.

    "Es gibt ein allgemeines Bewusstsein dafür, dass Kleinkinder während des Essens beobachtet werden und dass bestimmte harte Lebensmittel, etwa Nüsse, sofort aus ihren Mündern entfernt werden sollten. Das Wissen über die Gefahr von Trauben und ähnlichen Lebensmitteln ist jedoch nicht weit verbreitet", schreiben die Autoren. Während auf vielen Verpackungen von kleinen Spielsachen Hinweise zur Erstickungsgefahr angebracht sind, fehlten diese auf Lebensmitteln wie Weintrauben und Kirschtomaten oft.

    Sie empfehlen daher, dass Weintrauben und kleine Tomaten "halbiert und idealerweise geviertelt werden sollten, bevor sie Kleinkindern unter fünf Jahren zu Essen gegeben werden". Zudem sei es unbedingt notwendig, dass Kleinkinder beobachtet werden, während sie essen. (red, 13.2.2017)

    • Gefährliche Trauben: Durch ihre glatte Oberfläche dichten die Früchte die Luftröhre ab und lassen sich schlecht entfernen.
      foto: istock

      Gefährliche Trauben: Durch ihre glatte Oberfläche dichten die Früchte die Luftröhre ab und lassen sich schlecht entfernen.

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