Unfälle: Ski-WM ist "kein Kindergeburtstag"

9. Februar 2017, 11:26
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Zwei Rennen, ein paar Trainingsfahrten und viele Stürze: In St. Moritz bewegen sich die Ski-Rennläufer am Limit, Knochenbrüche sind quasi einprogrammiert

St. Moritz – Taras Pimenow hielt keine drei Sekunden durch. Ein verkanteter Schlittschuhschritt am Start, und schon knallte der Kasache im Super-G vornüber auf die knüppelharte "Corviglia". Doch während Pimenow sich schnell aufrappelte und das Rennen nach seinem Malheur sogar zu Ende fahren konnte, kamen einige andere Ski-Rennläufer zum Auftakt der alpinen Ski-WM weniger glimpflich davon.

Nach dem Super-G der Männer war das medizinische Bulletin wenig kürzer als die Ergebnisliste. Zwischenbilanz nach zwei Rennen und ein paar Trainingsläufen: innere Blutungen, ein Unterschenkelbruch, Wirbelfrakturen, eine Gehirnerschütterung, eine ausgerenkte Schulter, Zerrungen und Prellungen.

"Es ist absolut nicht am Limit"

Der von manchen erwartete Aufschrei im Ski-Zirkus blieb dennoch aus – aus gutem Grund. "Hier ist es auf keinen Fall zu gefährlich", sagt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, und ZDF-Experte Marco Büchel ergänzt: "Es ist absolut nicht am Limit. Es ist eine ganz reguläre Strecke, nicht zu eisig, nicht zu griffig, die Pistenverhältnisse und Sturzräume sind gut."

Der frühere Vize-Weltmeister weiß, wovon er spricht. Büchel ist Mitglied der Arbeitsgruppe für Material und Sicherheit beim Internationalen Skiverband FIS. "Ich habe alles mehrfach angesehen, es ist alles in Ordnung", sagt er. Aber, gibt der 45-Jährige zu bedenken, "Skirennsport ist per se kein Kindergeburtstag, es ist gefährlich, und da passieren immer wieder Sachen. Das ist Teil des Geschäfts, das muss man leider akzeptieren."

Kein mangelndes Können

Auch so schwere Stürze wie der des Monegassen Olivier Jenot, der schon beim Zuschauen weh tut? Jenot verdrehte es im Super-G beim "Mauer"-Sprung in der Luft, nach 60 Meter Flug knallte er auf die Piste, verlor kurz das Bewusstsein. Doch er hatte Glück im Unglück: Obwohl er innere Blutungen erlitt, trug er keine organischen Verletzungen davon. Er wurde operiert, sein Zustand ist stabil.

Ein "normaler" Unfall eines Hobbyfahrers? Mitnichten, meint Büchel. Ob Jenot, der Slowake Adam Zampa und Max Ullrich aus Kroatien (Prellungen), Thomas Biesemeyer aus den USA (Schulterluxation, Zerrung), ja sogar der Kasache Martin Khuber (Halswirbelfraktur) und erst recht Mirjam Puchner aus Österreich (Unterschenkelbruch, Gehirnerschütterung) – das seien allesamt "super Skifahrer. Ich möchte das nicht hinausschieben auf mangelndes Können, weil das 'Exoten' sind, auf keinen Fall."

Und nun? Am Wochenende stehen die Abfahrten an, die Männer stürzen sich dabei vom Start in den "Freien Fall", in etwas über vier Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wird alles noch schlimmer? Büchel hat da "absolut" keine Sorge. Und überhaupt: "Wenn alle mit 60 problemlos runterfahren, schaut das kein Mensch mehr, es soll ja auch schwierig sein." (sid, 9.2.2017)

  • Olivier Jenot kam im Super G schwer zu Sturz.
    foto: apa/afp/dilkoff

    Olivier Jenot kam im Super G schwer zu Sturz.

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