Mindestens 90 Tote während Polizeistreik in Brasilien

9. Februar 2017, 06:03
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Stadt muss sparen – Nahverkehr, Schulen, Gesundheitszentren nicht in Betrieb

Vitória – Ein seit Tagen andauernder Polizeistreik in der brasilianischen Großstadt Vitória hat zu einer Welle der Gewalt geführt. In den vergangenen Tagen seien mindestens 90 Menschen getötet worden, berichtete das Nachrichtenportal "Globo" am Mittwoch unter Berufung auf die Polizeigewerkschaft.

Der öffentliche Nahverkehr fiel aus, Gesundheitszentren und Schulen blieben geschlossen. In den Straßen patrouillierten Soldaten. Immer wieder kam es zu Schießereien, Plünderungen und Überfällen. In der nahegelegenen Stadt Cariacica wurden am Mittwoch drei Polizisten angeschossen.

Die Militärpolizisten streiken seit Samstag und fordern höhere Gehälter. Der Bundesstaat Espírito Santo mit der Hauptstadt Vitória (320.000 Einwohner) hat massive Finanzprobleme und ist zum Sparen gezwungen. Zwar dürfen die Militärpolizisten offiziell nicht streiken, allerdings blockierten die Angehörigen der Beamten die Kasernen und hinderten die Polizisten am Ausrücken.

"Erpressung"

Gouverneur Paulo Hartung sprach von Erpressung. "Sie nehmen die Freiheit und die Rechte der Bürger von Espírito Santo als Geiseln und fordern Lösegeld", sagte er der Nachrichtenagentur Agência Brasil.

Die Familien der Militärpolizisten verteidigten ihre Proteste. "Wenn jemand in seinen Rechten und seiner Würde eingeschränkt wird, ist ein radikaler Protest die einzige Option", sagte die Sprecherin der Demonstranten und selbst Ehefrau eines Militärpolizisten Maluma Pereira Jordao Roepke der Deutschen Presse-Agentur.

Die Gehälter der Beamten seien seit sieben Jahren nicht mehr erhöht worden. "Die Familien wollen eine Einigung mit der Regierung", sagte Jordao Roepke. Am Freitag wollen sich die Konfliktparteien treffen und nach einer Lösung suchen.

Die Regierung hatte zuletzt die Entsendung von mehr als 1.000 Soldaten nach Espírito Santo angekündigt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Aus anderen Bundesstaaten wurden zudem 200 Beamte einer Spezialeinheit des Justizministeriums in die Region geschickt. (APA, 9.2.2017)

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