Mit Correas Abgang endet eine Ära in Ecuador

9. Februar 2017, 14:00
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Präsident verzichtet auf erneute Kandidatur bei Wahlen in eineihalb Wochen und erspart dem Land aufreibende Debatten

Quito/Puebla – In Ecuador geht eine Ära zu Ende – das ist fast das Einzige, was man mit Sicherheit zu den in eineinhalb Wochen bevorstehenden Präsidentschaftswahlen sagen kann. Nach zehn Jahren an der Macht kandidiert Präsident Rafael Correa nicht mehr. Im Gegensatz zu anderen linken Gesinnungsgenossen in der Region hat der Ökonom darauf verzichtet, umstrittene Änderungen oder Neuinterpretationen der Verfassung durchzusetzen, und dem Land damit eine aufreibende Debatte erspart.

Ob Ecuador damit aber nach rechts rückt, wie viele andere Länder Lateinamerikas, oder Correas ehemaliger Vizepräsident Lenín Moreno von der Regierungspartei Alianza País das Rennen machen wird, ist unklar. Umfragen zufolge kann der 63-Jährige nicht schon in der ersten Runde siegen. Eher laue Umfragewerte für die siegesgewohnte Partei Alianza País liegen zum einen am Rückgang der Rohstoffpreise, der Ecuador in die Rezession katapultiert hat, zum anderen daran, dass der im Rollstuhl sitzende Moreno weder das Charisma noch die Führungsqualitäten Correas besitzt.

Millionär Lasso will Präsident werden

Morenos größter Herausforderer ist der ehemalige Banker Guillermo Lasso mit seiner Partei CREO. Der Millionär buhlt vor allem um Jungwähler, um Unternehmer und Enttäuschte. Er verspricht Arbeitsplätze, Steuersenkungen, Freihandelszonen, will Kontrollmechanismen abschaffen und verspricht, das Erdöl im Yasuni-Nationalpark nicht auszubeuten – eine Forderung der Umweltschützer und Indigenen.

Knapp hinter ihm liegt die ebenfalls rechte Kandidatin Cynthia Viteri von der sozial-christlichen PSC. Die ehemalige Abgeordnete verspricht Gehaltserhöhungen, niedrigere Steuern und Energiepreise und Lohngleichheit für Frauen und Männer.

Dritter im Pulk der Verfolger ist der ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Quito, General Paco Moncayo. Der 76-Jährige wird von einer linken Allianz unterstützt, der unter anderem die indigene Partei Pachakutik angehört. Moncayo verspricht eine Antikorruptionskommission, ein staatliches Bauprogramm und die Modernisierung der Landwirtschaft.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird keine Partei im Kongress eine deutliche Mehrheit erhalten – für den Sieger wird das Regieren damit ungleich schwerer als für Correa. Die bürgerliche Opposition will zwar viele von Correas Gesetzen demontieren, doch dafür sind qualifizierte Mehrheiten notwendig. Auch Moreno müsste bei einem Sieg wohl deutlich mehr Kompromisse eingehen.

Boom unter Correa

Unter Correa wuchs das Bruttoinlandsprodukt von 46 Milliarden US-Dollar 2007 auf 110 Milliarden 2016. Die Armut verringerte sich um 13 Prozent, die Ausgaben für Gesundheit und Bildung stiegen drastisch an. Zwei Millionen Ecuadorianer bekommen Sozialhilfe, die Infrastruktur wurde modernisiert. Bezahlt wurde mit Rohstoffabbau und Exportschlagern: Blumen, Kakao, Krabben. Von den "Rechten der Natur und dem guten Leben", wie es in der Verfassung festgeschrieben ist, sei dieses Modell weit entfernt, kritisieren linke Gruppen, die Correa anfangs unterstützten.

Auch Korruptionsskandale kratzten dann am Image der Bürgerrevolution. In den vergangenen zwei Jahren musste sich der Staat außerdem hoch verschulden, um die Ausgaben zu halten, und steht jetzt vor allem bei China in der Kreide. Künftig werden Spielräume für staatliche Ausgabenpolitik daher deutlich geringer. (Sandra Weiss, 9.2.2017)

  • Charismatisch, aber auch narzisstisch: Rafael Correa.
    foto: apa/afp/pau barrena

    Charismatisch, aber auch narzisstisch: Rafael Correa.

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